Autor: Gebrüder Grimm
Die ungleiche Heirat
Es war ein Mann, dem starb seine Frau. Und es war eine Frau, der starb ihr Mann. Der Mann hatte eine Tochter und die Frau hatte auch eine Tochter. Die Mädchen waren miteinander bekannt und gingen zusammen spazieren und kamen hernach zu der Frau ins Haus.
Das Mädchen ging nach Haus und erzählte seinem Vater, was die Frau gesagt hatte. Der Mann sprach:
Endlich, weil er keinen Entschluss fassen konnte, zog er seinen Stiefel aus und sagte:
Das Mädchen tat, wie ihm geheißen war. Aber das Wasser zog das Loch zusammen und der Stiefel ward voll bis obenhin. Es verkündigte seinem Vater, wie es ausgefallen war. Da stieg er selbst hinauf. Als er sah, dass es seine Richtigkeit hatte, ging er zu der Witwe und freite sie, und die Hochzeit ward gehalten.
Das falsche Versprechen
Am andern Morgen, als die beiden Mädchen sich aufmachten, da stand vor des Mannes Tochter Milch zum Waschen und Wein zum Trinken. Vor der Frau Tochter aber stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken. Am zweiten Morgen stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken so gut vor des Mannes Tochter als vor der Frau Tochter. Und am dritten Morgen stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken vor des Mannes Tochter und Milch zum Waschen und Wein zum Trinken vor der Frau Tochter. Dabei blieb es.
Die Frau ward ihrer Stieftochter spinnefeind und wusste nicht, wie sie es ihr von einem Tag zum andern schlimmer machen sollte. Auch war sie neidisch, weil ihre Stieftochter schön und lieblich war, ihre rechte Tochter aber hässlich und widerlich.
Die Erdbeeren im Winter
Einmal im Winter, als es steinhart gefroren hatte und Berg und Tal vollgeschneit lag, machte die Frau ein Kleid von Papier. Sie rief das Mädchen und sprach:
Dann gab sie ihm noch ein Stückchen hartes Brot und sprach:
Dabei dachte sie: „Draußen wird es erfrieren und verhungern und mir nimmermehr wieder vor die Augen kommen.“
Die drei Haulemännchen
Nun war das Mädchen gehorsam, tat das Papierkleid an und ging mit dem Körbchen hinaus. Da war nichts als Schnee in die Weite und Breite, und es war kein grünes Hälmchen zu merken. Als es in den Wald kam, sah es ein kleines Häuschen. Daraus guckten drei kleine Haulemännchen. Es wünschte ihnen die Tageszeit und klopfte bescheiden an die Tür. Sie riefen „Herein!“, und es trat in die Stube und setzte sich auf die Bank am Ofen. Da wollte es sich wärmen und sein Frühstück essen.
Sie fragten:
Als es sein Brot gegessen hatte, gaben sie ihm einen Besen und sprachen:
Wie es aber draußen war, sprachen die drei Männerchen untereinander:
Goldmünzen und Erdbeeren
Das Mädchen aber tat, wie die Haulemännchen gesagt hatten, und kehrte mit dem Besen den Schnee hinter dem kleinen Hause weg. Und was glaubt ihr wohl, was es gefunden hat? Lauter reife Erdbeeren, die ganz dunkelrot aus dem Schnee hervorkamen. Da raffte es in seiner Freude sein Körbchen voll, dankte den kleinen Männern, gab jedem die Hand und lief nach Haus. Es wollte der Stiefmutter das Verlangte bringen. Wie es eintrat und „Guten Abend“ sagte, fiel ihm gleich ein Goldstück aus dem Mund.
Darauf erzählte es, was ihm im Walde begegnet war. Aber bei jedem Worte, das es sprach, fielen ihm die Goldstücke aus dem Mund, so dass bald die ganze Stube damit bedeckt ward.
Aber heimlich war sie neidisch darüber und wollte auch hinaus in den Wald und Erdbeeren suchen. Die Mutter sagte:
Weil sie ihr aber keine Ruhe ließ, gab sie endlich nach, nähte ihm einen prächtigen Pelzrock, den es anziehen musste, und gab ihm Butterbrot und Kuchen mit auf den Weg.
Die missgünstige Schwester
Das Mädchen ging in den Wald und gerade auf das kleine Häuschen zu. Die drei kleinen Haulemännchen guckten wieder, aber es grüßte sie nicht. Ohne sich nach ihnen umzusehen und ohne sie zu grüßen, stolperte es in die Stube hinein, setzte sich an den Ofen und fing an, sein Butterbrot und seinen Kuchen zu essen.
Als es nun fertig war mit dem Essen, sprachen sie:
Wie es sah, dass sie ihm nichts schenken wollten, ging es zur Türe hinaus. Da sprachen die kleinen Männer untereinander:
Das Mädchen suchte draußen nach Erdbeeren. Als es aber keine fand, ging es verdrießlich nach Haus. Und wie es den Mund auftat und seiner Mutter erzählen wollte, was ihm im Walde begegnet war, da sprang ihm bei jedem Wort eine Kröte aus dem Mund, so dass alle einen Abscheu vor ihm bekamen.
Die Königshochzeit
Nun ärgerte sich die Stiefmutter noch viel mehr und dachte nur darauf, wie sie der Tochter des Mannes alles Herzeleid antun wollte, deren Schönheit doch alle Tage größer ward. Endlich nahm sie einen Kessel, setzte ihn zum Feuer und sott Garn darin. Als es gesotten war, hing sie es dem armen Mädchen auf die Schulter und gab ihm eine Axt dazu. Damit sollte es auf den gefrorenen Fluss gehen, ein Eisloch hauen und das Garn schlittern. Es war gehorsam, ging hin und hackte ein Loch in das Eis.
Als es mitten im Hacken war, kam ein prächtiger Wagen hergefahren, worin der König saß. Der Wagen hielt still und der König fragte:
Da fühlte der König Mitleid. Als er sah, wie es so gar schön war, sprach er:
Also stieg es in den Wagen und fuhr mit dem König fort. Als sie auf sein Schloss gekommen waren, ward die Hochzeit mit großer Pracht gefeiert, wie es die kleinen Männlein dem Mädchen geschenkt hatten.
Verrat und Rettung
Über ein Jahr gebar die junge Königin einen Sohn. Als die Stiefmutter von dem großen Glücke gehört hatte, so kam sie mit ihrer Tochter in das Schloss und tat, als wollte sie einen Besuch machen. Als aber der König einmal hinausgegangen und sonst niemand zugegen war, packte das böse Weib die Königin am Kopf, und ihre Tochter packte sie an den Füßen. Sie hoben sie aus dem Bett und warfen sie zum Fenster hinaus in den vorbeifließenden Strom.
Darauf legte sich ihre hässliche Tochter ins Bett und die Alte deckte sie zu bis über den Kopf. Als der König wieder zurückkam und mit seiner Frau sprechen wollte, rief die Alte:
Der König dachte nichts Böses dabei und kam erst den andern Morgen wieder. Wie er mit seiner Frau sprach und sie ihm Antwort gab, sprang bei jedem Wort eine Kröte hervor, während sonst ein Goldstück herausgefallen war. Da fragte er, was das wäre. Aber die Alte sprach, das hätte sie von dem starken Schweiß gekriegt und würde sich schon wieder verlieren.
In der Nacht aber sah der Küchenjunge, wie eine Ente durch die Gosse geschwommen kam. Die sprach:
Und als er keine Antwort gab, sprach sie:
Sie fragte weiter:
Da ging sie in der Königin Gestalt hinauf, gab ihm zu trinken, schüttelte ihm sein Bettchen, deckte es zu und schwamm als Ente wieder durch die Gosse fort. So kam sie zwei Nächte. In der dritten sprach sie zu dem Küchenjungen:
Da lief der Küchenjunge und sagte es dem König. Der kam mit seinem Schwert und schwang es dreimal über dem Geist. Beim dritten Mal stand seine Gemahlin vor ihm, frisch, lebendig und gesund, wie sie vorher gewesen war.
Das Urteil
Nun war der König in großer Freude. Er hielt aber die Königin in einer Kammer verborgen bis auf den Sonntag, wo das Kind getauft werden sollte. Und als es getauft war, sprach er:
Da sagte der König:
Er ließ ein solches Fass holen und die Alte mit ihrer Tochter hineinstecken. Dann ward der Boden zugehämmert und das Fass bergab gekullert, bis es in den Fluss rollte.

