Autor: Gebrüder Grimm
Die Ausrede mit dem Haspel
In einem Dorf lebten ein Mann und eine Frau. Die Frau war so faul, dass sie nie arbeiten wollte. Was ihr der Mann auch zum Spinnen gab, das spann sie nicht fertig. Und wenn sie doch einmal spank, haspelte sie das Garn nicht auf, sondern ließ es ungeordnet auf dem Knäuel gewickelt liegen.
Schalt der Mann sie deswegen, war sie um keine Ausrede verlegen und sprach:
, sagte der Mann,
Da bekam die Frau Angst. Sie befürchtete, dass ihr Mann aus dem Holz einen Haspel bauen würde und sie das fertige Garn aufwickeln und anschließend neues spinnen müsste. Sie überlegte eine Weile, bis ihr ein guter Einfall kam, und schlich ihrem Mann heimlich nach in den Wald.
Die geheimnisvollen Stimmen im Wald
Als der Mann auf einen Baum geklettert war, um das passende Holz auszuwählen und abzuhauen, versteckte sich die Frau unten im Gebüsch, wo er sie nicht sehen konnte. Sie rief mit verstellter Stimme hinauf:
Der Mann horchte auf, legte die Axt eine Weile nieder und überlegte, was das zu bedeuten habe.
, sprach er schließlich zu sich selbst,
Er ergriff die Axt erneut und wollte gerade zuschlagen, da rief es wieder von unten herauf:
Er hielt inne. Ihm wurde ganz angst und bange, und er grübelte über den Vorfall nach. Nach einer Weile fasste er jedoch wieder Mut, griff zum dritten Mal nach der Axt und holte aus. Doch zum dritten Mal rief die Stimme laut empor:
Da hatte er genug. Ihm verging jede Lust zum Arbeiten, er stieg eilig vom Baum herab und machte sich auf den Heimweg. Die Frau rannte auf Schleichwegen, was sie konnte, um vor ihm zu Hause zu sein.
Als der Mann in die Stube trat, tat sie ganz unschuldig, als ob nichts geschehen wäre, und fragte:
, sprach er,
Er erzählte ihr, was ihm im Wald widerfahren war, und ließ sie von da an mit dem Haspeln in Ruhe.
Das Knäuel-Werfen auf dem Dachboden
Bald darauf fing der Mann jedoch wieder an, sich über die Unordnung im Haus zu ärgern.
, sagte er,
, schlug sie vor.
, stimmte der Mann zu.
Sie taten wie besprochen. Als sie fertig waren, sprach der Mann:
Der Frau wurde wieder angst. Sie sagte zwar:
, heckte im Stillen aber schon den nächsten Streich aus.
Die Suppe aus Werg
Am frühen Morgen stand sie auf, zündete das Feuer an und stellte den Kessel bereit. Doch anstelle des kostbaren Garns legte sie einen wertlosen Klumpen Werg – grobe Flachsfasern – hinein und ließ ihn vor sich hin kochen.
Daraufhin ging sie zu ihrem Mann, der noch im Bett lag, und sprach:
Der Mann wollte nichts versäumen. Er sprang eilig aus dem Bett und lief in die Küche. Als er an den Kessel trat und hineinsah, erblickte er zu seinem Schrecken nichts als einen Klumpen Werg.
Da schwieg der arme Mann mäuschenstill. Er glaubte, er habe den richtigen Zeitpunkt verpasst und sei selbst an dem Unglück schuld. In Zukunft sprach er kein Wort mehr von Garn und Spinnen.
Man muss es aber selbst sagen: Es war eine garstige Frau!

