Autor: Gebrüder Grimm
Das Blendwerk des Zauberers
Es war einmal ein Zauberer, der stand mitten in einer großen Menschenmenge und vollbrachte seine Wunder. Unter anderem ließ er einen Hahn einherschreiten, der einen schweren Holzbalken hob und ihn trug, als wäre er federleicht.
Nun war da aber ein Mädchen unter den Zuschauern, das kurz zuvor ein vierblättriges Kleeblatt gefunden hatte. Dadurch war es so klug geworden, dass kein Blendwerk vor seinen Augen bestehen konnte. Es sah sofort, dass der Balken in Wahrheit nichts anderes als ein einfacher Strohhalm war.
Da rief das Mädchen laut:
Alsbald verschwand der Zauber. Die Leute sahen, was es wirklich war, und jagten den Hexenmeister mit Schimpf und Schande davon. Dieser aber war voller Zorn und sprach bei sich:
Die Rache des Hexenmeisters
Nach einiger Zeit feierte das Mädchen Hochzeit. Sie war festlich geschmückt und ging in einem großen Brautzug über das Feld zu der Kirche.
Auf einmal kamen sie an einen stark angeschwollenen Bach, über den weder eine Brücke noch ein Steg führte. Da war die Braut flink, hob ihre Kleider hoch und wollte durch das Wasser waten.
Als sie nun so im vermeintlichen Wasser steht, ruft ein Mann – und das war der Zauberer – spöttisch neben ihr:
Da gingen der Braut plötzlich die Augen auf, und sie bemerkte beschämt, dass sie mit hochgehobenen Kleidern mitten in einem blau blühenden Flachsfeld stand. Da sahen es auch die anderen Hochzeitsgäste und jagten sie mit Spott und Gelächter davon.

