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Märchen lesen und erleben

Die Wassernixe

⏱ Lesedauer: ca. 2 Min.

Gefangen im Brunnen

Ein Brüderchen und ein Schwesterchen spielten an einem Brunnen. Wie sie so spielten, plumpsten sie beide hinein.

Unten im Brunnen wohnte eine Wassernixe. Die sprach:

„Jetzt habe ich euch! Jetzt sollt ihr mir brav arbeiten!“

, und führte sie mit sich fort. Dem Mädchen gab sie verwirrten, garstigen Flachs zu spinnen, und es musste Wasser in ein hohles Fass schleppen. Der Junge aber sollte einen Baum mit einer stumpfen Axt fällen. Zu essen bekamen sie nichts als steinharte Klöße.

Die Flucht vor der Nixe

Da wurden die Kinder schließlich so ungeduldig, dass sie einen Plan fassten: Eines Sonntags, als die Nixe in der Kirche war, entflohen sie. Als die Kirche vorbei war, sah die Nixe, dass ihre Vögel ausgeflogen waren, und setzte ihnen mit großen Sprüngen nach.

Die Kinder erblickten sie jedoch von Weitem. Da warf das Mädchen eine Bürste hinter sich. Daraus entstand ein riesiger Bürstenberg mit tausend und tausend Stacheln, über den die Nixe nur mit großer Mühe klettern konnte. Doch am Ende kam sie hinüber.

Als die Kinder das sahen, warf der Knabe einen Kamm hinter sich. Das gab einen großen Kammberg mit tausendmal tausend Zinken. Aber die Nixe wusste sich daran festzuhalten und kam schließlich auch darüber hinweg.

Der unüberwindbare Spiegelberg

Da warf das Mädchen einen Spiegel hinter sich, was einen gewaltigen Spiegelberg ergab. Der war so glatt, so glatt, dass die Nixe unmöglich darüber hinwegkam. Da dachte sie:

„Ich will schnell nach Hause gehen, meine Axt holen und den Spiegelberg entzweihauen.“

Bis sie jedoch wiederkehrte und das Glas zerschlagen hatte, waren die Kinder längst weit entflohen. Die Wassernixe musste sich wohl oder übel wieder in ihren Brunnen trollen.