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Märchen lesen und erleben

Hans heiratet

⏱ Lesedauer: ca. 3 Min.

Der listige Heiratsantrag

Es war einmal ein junger Bauer, der hieß Hans. Dem wollte sein Vetter gern eine reiche Frau werben. Da setzte er den Hans hinter den Ofen und ließ gut einheizen. Dann holte er einen Topf Milch und eine gute Menge Weißbrot, gab ihm einen neu geprägten, glänzenden Heller in die Hand und sprach:

„Hans, den Heller da halte fest, und das Weißbrot, das brocke in die Milch. Bleib da sitzen und geh mir nicht von der Stelle, bis ich wiederkomme.“

„Ja“

, sprach der Hans,

„das will ich alles ausrichten.“

Nun zog der Werber ein paar alte, geflickte Hosen an, ging ins andere Dorf zu einer reichen Bauerntochter und sprach:

„Wollt ihr nicht meinen Vetter Hans heiraten? Ihr kriegt einen wackeren und gescheiten Mann, der euch gefallen wird.“

Da fragte der geizige Vater:

„Wie sieht es aus mit seinem Vermögen? Hat er auch was einzubrocken?“

„Lieber Freund“

, antwortete der Werber,

„mein junger Vetter sitzt warm, hat einen guten, schönen Pfennig in der Hand und hat reichlich einzubrocken. Er besitzt zudem nicht weniger Flecken (Güter) als ich“

, und schlug sich dabei auf seine geflickte Hose (denn

„Flecken“

beziehungsweise

„Placken“

nannte man im Dialekt sowohl Flicken als auch Landstücke).

„Wollt ihr euch die Mühe nehmen, mit mir hinzugehen, so soll euch zur Stunde gezeigt werden, dass alles so ist, wie ich sage.“

Da wollte der Geizhals die gute Gelegenheit nicht verpassen und sprach:

„Wenn dem so ist, so habe ich weiter nichts gegen die Heirat.“

Die Besichtigung der Güter

Nun wurde die Hochzeit an dem bestimmten Tag gefeiert. Als die junge Frau ins Feld gehen und die Güter des Bräutigams sehen wollte, zog Hans erst sein sonntägliches Kleid aus, legte seinen geflickten Kittel an und sprach:

„Ich könnte mir das gute Kleid beschmutzen.“

Da gingen sie zusammen ins Feld. Wo sich auf dem Weg ein Weinstock abzeichnete oder Äcker und Wiesen abgeteilt waren, deutete Hans mit dem Finger darauf, schlug dann an einen großen oder kleinen Flicken seines Kittels und sprach:

„Der Placken ist mein und jener auch, mein Schatz, schaut nur danach!“

Er wollte damit sagen, die Frau sollte nicht in das weite Feld gaffen, sondern auf sein geflicktes Kleid schauen, denn das war sein Eigen.

Das Lied des Dichters

„Bist du auch auf der Hochzeit gewesen?“

„Jawohl bin ich darauf gewesen, und in vollem Staat! Mein Kopfputz war aus Schnee. Da kam die Sonne und er ist mir weggeschmolzen. Mein Kleid war aus Spinnweben. Da kam ich durch die Dornen und sie rissen mir es ab. Meine Pantoffeln waren aus Glas. Da stieß ich an einen Stein, sie sagten *klink!* und sprangen entzwei.“