Autor: Gebrüder Grimm
Das Treffen mit dem Wolf
Es war einmal ein wunderlicher Spielmann. Der ging durch einen Wald mutterselig allein und dachte hin und her. Als für seine Gedanken nichts mehr übrig war, sprach er zu sich selbst:
Da nahm er die Geige vom Rücken und fidelte eins, dass es durch die Bäume schallte.
Nicht lange, so kam ein Wolf durch das Dickicht dahergetrabt.
, sagte der Spielmann.
Aber der Wolf schritt näher und sprach zu ihm:
, antwortete ihm der Spielmann,
, sprach der Wolf,
Der Spielmann hieß ihn mitgehen. Als sie ein Stück Weges zusammen gegangen waren, kamen sie an einen alten Eichbaum, der innen hohl und in der Mitte aufgerissen war.
, sprach der Spielmann,
Der Wolf gehorchte. Aber der Spielmann hob schnell einen Stein auf und keilte ihm die beiden Pfoten mit einem Schlag so fest ein, dass er wie ein Gefangener da liegen bleiben musste.
, sagte der Spielmann und ging seines Weges.
Die Falle für den Fuchs
Über eine Weile sprach er abermals zu sich selber:
Er nahm seine Geige und fidelte wieder in den Wald hinein.
Nicht lange, so kam ein Fuchs durch die Bäume dahergeschlichen.
, sagte der Spielmann.
Der Fuchs kam zu ihm heran und sprach:
, sprach der Spielmann,
, antwortete der Fuchs,
, sagte der Spielmann.
Als sie ein Stück Weges gegangen waren, kamen sie auf einen Fußweg, zu dessen beiden Seiten hohe Sträucher standen. Da hielt der Spielmann still, bog von der einen Seite ein Haselnussbäumchen zur Erde herab und trat mit dem Fuß auf die Spitze. Dann bog er von der anderen Seite noch ein Bäumchen herab und sprach:
Der Fuchs gehorchte, und der Spielmann band ihm die Pfote an den linken Stamm.
, sprach er,
Die band er ihm an den rechten Stamm.
Als er nachgesehen hatte, ob die Knoten der Stricke auch fest genug waren, ließ er los. Die Bäumchen fuhren in die Höhe und schnellten das Füchslein hinauf, dass es in der Luft schwebte und zappelte.
, sagte der Spielmann und ging seines Weges.
Das gefangene Häschen
Wiederum sprach er zu sich:
Er nahm seine Geige, und der Klang erschallte durch den Wald.
Da kam ein Häschen dahergesprungen.
, sagte der Spielmann.
, sagte das Häschen,
, sprach der Spielmann,
, antwortete das Häslein,
Sie gingen ein Stück Weges zusammen, bis sie zu einer lichten Stelle im Wald kamen, wo ein Espenbaum stand. Der Spielmann band dem Häschen einen langen Bindfaden um den Hals, wovon er das andere Ende an den Baum knüpfte.
, rief der Spielmann.
Das Häschen gehorchte. Als es zwanzigmal herumlaufen war, hatte sich der Bindfaden zwanzigmal um den Stamm gewickelt. Das Häschen war gefangen, und es mochte ziehen und zerren, wie es wollte – es schnitt sich nur den Faden in den weichen Hals.
, sprach der Spielmann und ging weiter.
Die Flucht der Tiere
Der Wolf indessen hatte gerückt, gezogen, an dem Stein gebissen und so lange gearbeitet, bis er die Pfoten frei gemacht und wieder aus der Spalte gezogen hatte. Voll Zorn und Wut eilte er hinter dem Spielmann her und wollte ihn zerreißen.
Als ihn der Fuchs laufen sah, fing er an zu jammern und schrie aus Leibeskräften:
Der Wolf zog die Bäumchen herab, biss die Schnüre entzwei und machte den Fuchs frei. Dieser ging mit ihm und wollte an dem Spielmann Rache nehmen. Sie fanden das gebundene Häschen, das sie ebenfalls erlösten, und dann suchten alle zusammen ihren Feind auf.
Der Holzhacker und die Rettung
Der Spielmann hatte auf seinem Weg abermals seine Fidel erklingen lassen, und diesmal war er glücklicher gewesen. Die Töne drangen zu den Ohren eines armen Holzhauers, der alsbald, er mochte wollen oder nicht, von der Arbeit abließ und mit dem Beil unter dem Arm herankam, um die Musik zu hören.
, sagte der Spielmann,
Er fing an und spielte so schön und lieblich, dass der arme Mann wie bezaubert dastand und ihm das Herz vor Freude aufging.
Und wie er so stand, kamen der Wolf, der Fuchs und das Häslein heran, und der Holzhauer merkte wohl, dass sie etwas Böses im Schilde führten. Da erhob er seine blinkende Axt und stellte sich vor den Spielmann, als wollte er sagen:
Da wurde den Tieren angst und sie liefen in den Wald zurück. Der Spielmann aber spielte dem Mann noch eins zum Dank und zog dann weiter.

