Autor: Gebrüder Grimm
Abschied und Begegnung mit dem Bettler
Es war einmal ein großer Krieg, und als der Krieg zu Ende war, bekamen viele Soldaten ihren Abschied. Nun bekam der Bruder Lustig auch seinen Abschied und sonst nichts als ein kleines Laibchen Kommissbrot und vier Kreuzer an Geld; damit zog er fort.
Der heilige Petrus aber hatte sich als ein armer Bettler an den Weg gesetzt. Als der Bruder Lustig daherkam, bat er ihn um ein Almosen. Er antwortete:
Darauf teilte er den Laib in vier Teile und gab davon dem Apostel einen und auch einen Kreuzer.
Der heilige Petrus bedankte sich, ging weiter und setzte sich in einer anderen Gestalt wieder als Bettelmann dem Soldaten an den Weg. Als er zu ihm kam, bat er ihn, wie das vorige Mal, um eine Gabe. Der Bruder Lustig sprach wie vorher und gab ihm wieder ein Viertel von dem Brot und einen Kreuzer.
Der heilige Petrus bedankte sich und ging weiter, setzte sich aber zum dritten Mal in einer anderen Gestalt als ein Bettler an den Weg und sprach den Bruder Lustig an. Der Bruder Lustig gab ihm auch das dritte Viertel Brot und den dritten Kreuzer.
Der heilige Petrus bedankte sich, und der Bruder Lustig ging weiter und hatte nicht mehr als ein Viertel Brot und einen Kreuzer. Damit ging er in ein Wirtshaus, aß das Brot und ließ sich für den Kreuzer Bier dazu geben.
Als er fertig war, zog er weiter. Da ging ihm der heilige Petrus gleichfalls in der Gestalt eines verabschiedeten Soldaten entgegen und redete ihn an:
, antwortete der Bruder Lustig,
, antwortete der heilige Petrus,
, sagte der Bruder Lustig,
, sprach der heilige Petrus,
, sagte der Bruder Lustig. Also zogen sie miteinander fort.
Die wunderbare Heilung
Nun kamen sie an ein Bauernhaus und hörten darin gewaltig jammern und schreien. Sie gingen hinein, und da lag der Mann auf den Tod krank im Bett und war nahe dem Verscheiden, und die Frau heulte und weinte ganz laut.
, sprach der heilige Petrus,
Er nahm eine Salbe aus der Tasche und heilte den Kranken augenblicklich, sodass er aufstehen konnte und ganz gesund war.
Da sprachen Mann und Frau in großer Freude:
Der heilige Petrus aber wollte nichts nehmen, und je mehr ihn die Bauersleute baten, desto mehr weigerte er sich. Der Bruder Lustig aber stieß den heiligen Petrus an und sagte:
Endlich brachte die Bäuerin ein Lamm und sprach zu dem heiligen Petrus, das müsste er annehmen. Aber er wollte es nicht. Da stieß ihn der Bruder Lustig in die Seite und sprach:
Da sagte der heilige Petrus endlich:
, sprach der Bruder Lustig,
, und nahm es auf die Schulter. Nun gingen sie fort.
Das Lamm ohne Herz
Sie kamen in einen Wald, und da war das Lamm dem Bruder Lustig schwer geworden. Er war hungrig, also sprach er zu dem heiligen Petrus:
, antwortete der heilige Petrus,
, sagte Bruder Lustig,
Da ging der heilige Petrus fort, und der Bruder Lustig schlachtete das Lamm, machte Feuer an, warf das Fleisch in den Kessel und kochte. Das Lamm war aber schon gar und der Apostel noch immer nicht zurück. Da nahm es der Bruder Lustig aus dem Kessel, zerschnitt es und fand das Herz.
, sprach er und versuchte es. Zuletzt aber aß er es ganz auf.
Endlich kam der heilige Petrus zurück und sprach:
Da nahm Bruder Lustig Messer und Gabel, tat, als suchte er eifrig in dem Lammfleisch herum, konnte aber das Herz nicht finden. Endlich sagte er kurzweg:
, sagte der Apostel.
, antwortete der Bruder Lustig,
, sprach der heilige Petrus,
, sagte der heilige Petrus,
, sprach der Bruder Lustig, aß das halbe Lamm und steckte das übrige in seinen Ranzen.
Die Prüfung im Wasser
Sie gingen weiter, da ließ der heilige Petrus ein großes Wasser quer über den Weg fließen, sodass sie hindurch mussten.
Sprach der heilige Petrus:
, antwortete der Bruder Lustig,
, und dachte:
Da schritt der heilige Petrus hindurch, und das Wasser ging ihm nur bis ans Knie. Nun wollte Bruder Lustig auch hindurch, aber das Wasser wurde tiefer und stieg ihm an den Hals.
Da rief er:
Da fragte der heilige Petrus:
, antwortete er,
Da ward das Wasser noch tiefer und stieg ihm bis an den Mund.
, rief der Soldat.
Sprach der heilige Petrus noch einmal:
, antwortete er,
Der heilige Petrus wollte ihn doch nicht ertrinken lassen, ließ das Wasser wieder sinken und half ihm hinüber.
Die Erweckung der Königstochter
Nun zogen sie weiter und kamen in ein Reich, wo sie hörten, dass die Königstochter totkrank läge.
, sprach der Soldat zum heiligen Petrus,
Da war ihm der heilige Petrus nicht schnell genug.
, sprach er zu ihm,
Der heilige Petrus ging aber immer langsamer, wie auch der Bruder Lustig ihn trieb und schob, bis sie endlich hörten, die Königstochter wäre gestorben.
, sprach der Bruder Lustig.
, antwortete der heilige Petrus,
, sagte der Bruder Lustig,
Darauf gingen sie in das königliche Schloss, wo alles in großer Trauer war. Der heilige Petrus aber sagte zu dem König, er wolle die Tochter wieder lebendig machen. Er wurde zu ihr geführt, und dann sprach er:
Als dieser gebracht war, hieß er jedermann hinausgehen, und nur der Bruder Lustig durfte bei ihm bleiben. Darauf schnitt er alle Glieder der Toten ab und warf sie ins Wasser, machte Feuer unter den Kessel und ließ sie kochen. Als alles Fleisch von den Knochen herabgefallen war, nahm er das schöne weiße Gebein heraus, legte es auf eine Tafel und reihte es nach seiner natürlichen Ordnung zusammen. Als das geschehen war, trat er davor und sprach dreimal:
Und beim dritten Mal erhob sich die Königstochter lebendig, gesund und schön.
Nun war der König darüber in großer Freude und sprach zum heiligen Petrus:
Der heilige Petrus aber antwortete:
, dachte der Bruder Lustig bei sich, stieß seinen Kameraden in die Seite und sprach:
Der heilige Petrus aber wollte nichts. Doch weil der König sah, dass der andere gerne etwas wollte, ließ er ihm vom Schatzmeister seinen Ranzen mit Gold anfüllen.
Das Gold und das Geständnis
Sie zogen darauf weiter, und als sie in einen Wald kamen, sprach der heilige Petrus zum Bruder Lustig:
, antwortete er,
Da teilte der heilige Petrus das Gold, und er teilte es in drei Teile. Dachte der Bruder Lustig:
Der heilige Petrus aber sprach:
, antwortete der Bruder Lustig und strich schnell das Gold ein.
, sprach der heilige Petrus,
, sagte der heilige Petrus,
, antwortete der Soldat,
Der verhängnisvolle Versuch des Bruders Lustig
Da ging der heilige Petrus eine andere Straße. Bruder Lustig aber dachte:
Nun hatte er zwar Geld genug, wusste aber nicht damit umzugehen, verjubelte und verschenkte es, und nach einiger Zeit hatte er wieder nichts.
Da kam er in ein Land, wo er hörte, dass die Königstochter gestorben wäre.
, dachte er,
Er ging also zum König und bot ihm an, die Tote wieder zu erwecken. Nun hatte der König gehört, dass ein abgedankter Soldat herumziehe und die Gestorbenen wieder lebendig mache. Er dachte, der Bruder Lustig wäre dieser Mann. Doch weil er kein rechtes Vertrauen zu ihm hatte, fragte er erst seine Räte. Die sagten aber, er könnte es wagen, da seine Tochter ohnehin tot sei.
Nun ließ sich der Bruder Lustig Wasser im Kessel bringen, hieß jedermann hinausgehen, schnitt die Glieder ab, warf sie ins Wasser und machte Feuer darunter, gerade so, wie er es beim heiligen Petrus gesehen hatte. Das Wasser fing an zu kochen, und das Fleisch fiel herab. Da nahm er das Gebein heraus und tat es auf die Tafel. Er wusste aber nicht, in welcher Ordnung es liegen musste, und legte alles verkehrt durcheinander.
Dann stellte er sich davor und sprach:
Er sprach es dreimal, aber die Gebeine rührten sich nicht. Da sprach er es noch dreimal, aber gleichfalls umsonst.
, rief er.
Als er das gesprochen hatte, kam der heilige Petrus auf einmal in seiner vorigen Gestalt als verabschiedeter Soldat durch das Fenster hereingegangen und sprach:
, antwortete er.
Darauf legte der heilige Petrus die Gebeine in ihre rechte Ordnung, sprach dreimal zu ihr:
, und die Königstochter stand auf, war gesund und schön wie vorher.
Nun ging der heilige Petrus wieder durch das Fenster hinaus. Der Bruder Lustig war froh, dass es so gut abgelaufen war, ärgerte sich aber doch, dass er nichts dafür nehmen sollte.
, dachte er,
Nun bot der König dem Bruder Lustig an, was er haben wollte. Er durfte zwar nichts nehmen, doch brachte er es durch Anspielung und Listigkeit dahin, dass ihm der König seinen Ranzen mit Gold füllen ließ, und damit zog er ab.
Als er hinauskam, stand vor dem Tor der heilige Petrus und sprach:
, antwortete Bruder Lustig,
, sprach der heilige Petrus,
, sprach der Bruder Lustig und dachte:
An die Wunderkraft aber, die seinem Ranzen verliehen war, dachte er nicht weiter.
Der magische Ranzen und die gebratenen Gänse
Bruder Lustig zog mit seinem Gold umher und verjubelte es wie das erste Mal. Als er nun nichts mehr als vier Kreuzer hatte, kam er an einem Wirtshaus vorbei und dachte:
Er ließ sich für drei Kreuzer Wein und einen Kreuzer Brot geben.
Wie er da saß und trank, kam ihm der Geruch von gebratenen Gänsen in die Nase. Bruder Lustig schaute und guckte und sah, dass der Wirt zwei Gänse in der Ofenröhre stehen hatte. Da fiel ihm ein, was ihm sein Kamerad gesagt hatte: Was er sich in seinen Ranzen wünschte, das sollte darin sein.
Also ging er hinaus, und vor der Türe sprach er:
Als er das gesagt hatte, schnallte er ihn auf und schaute hinein. Da lagen sie beide darin.
, sprach er,
Er ging fort auf eine Wiese und holte den Braten hervor.
Wie er so im besten Essen war, kamen zwei Handwerksburschen daher und sahen die eine Gans, die noch nicht angerührt war, mit hungrigen Augen an. Dachte der Bruder Lustig:
, rief die zwei Burschen herbei und sprach:
Sie bedankten sich, gingen damit ins Wirtshaus, ließen sich eine Halbe Wein und ein Brot geben, packten die geschenkte Gans aus und fingen an zu essen. Die Wirtin sah zu und sprach zu ihrem Mann:
Der Wirt lief hin, da war die Ofenröhre leer.
Die zwei sprachen:
Da sie aber nicht bezahlen konnten, nahm er den Stock und prügelte sie zur Türe hinaus.
Die Teufel im Schloss
Bruder Lustig ging seiner Wege und kam an einen Ort, da stand ein prächtiges Schloss und nicht weit davon ein schlechtes Wirtshaus. Er ging in das Wirtshaus und bat um ein Nachtlager. Aber der Wirt wies ihn ab und sprach:
, sprach der Bruder Lustig,
, antwortete der Wirt,
, sagte der Bruder Lustig,
, sprach der Wirt,
, sagte der Bruder Lustig,
Nun gab ihm der Wirt die Schlüssel und reichlich Essen und Trinken, und damit ging der Bruder Lustig ins Schloss. Er ließ es sich gut schmecken, und als er endlich schläfrig wurde, legte er sich auf den Boden, denn es war kein Bett da. Er schlief auch bald ein.
In der Nacht aber wurde er von einem großen Lärm aufgeweckt. Als er sich umsah, erblickte er neun hässliche Teufel im Zimmer, die einen Kreis um ihn gebildet hatten und um ihn herumtanzten.
Sprach der Bruder Lustig:
Die Teufel aber drangen immer wilder auf ihn ein und traten ihm mit ihren garstigen Füßen fast ins Gesicht.
, sprach er, aber sie trieben es immer ärger. Da ward der Bruder Lustig böse und rief:
Er griff nach einem Stuhlbein und schlug mitten hinein. Aber neun Teufel gegen einen Soldaten waren doch zu viel. Wenn er auf die vorderen zuschlug, packten ihn die anderen hinten bei den Haaren und rissen ihn erbärmlich.
, rief er,
Husch, steckten sie darin. Nun schnallte er ihn zu und warf ihn in eine Ecke. Da war es auf einmal still, und Bruder Lustig legte sich wieder hin und schlief bis zum hellen Morgen.
Nun kamen der Wirt und der Edelmann, dem das Schloss gehörte, und wollten sehen, wie es ihm ergangen wäre. Als sie ihn gesund und munter erblickten, erstaunten sie und fragten:
, antwortete Bruder Lustig,
Da dankte ihm der Edelmann, beschenkte ihn reichlich und bat ihn, in seinen Diensten zu bleiben. Er wollte ihn auf Lebenszeit versorgen.
, antwortete er,
Da ging der Bruder Lustig fort, trat in eine Schmiede und legte den Ranzen, worin die neun Teufel waren, auf den Amboss. Er bat den Schmied und seine Gesellen, zuzuschlagen. Die schlugen mit ihren großen Hämmern aus allen Kräften zu, sodass die Teufel ein erbärmliches Gekreisch erhoben. Als er danach den Ranzen aufmachte, waren acht von ihnen tot. Einer aber, der in einer Falte gesessen hatte, war noch am Leben, schlüpfte heraus und fuhr eilig wieder in die Hölle.
Kein Einlass in Hölle und Himmel
Darauf zog der Bruder Lustig noch lange in der Welt herum, und wer es wüsste, könnte viel davon erzählen. Endlich aber wurde er alt und dachte an sein Ende. Da ging er zu einem Einsiedler, der als ein frommer Mann bekannt war, und sprach zu ihm:
Der Einsiedler antwortete:
, dachte der Bruder Lustig,
Er machte sich auf und ging den breiten und angenehmen Weg. So kam er endlich zu einem großen, schwarzen Tor, und das war das Tor der Hölle.
Bruder Lustig klopfte an, und der Torwächter guckte, wer da wäre. Als er aber den Bruder Lustig sah, erschrak er heftig, denn er war gerade der neunte Teufel, der mit im Ranzen gesteckt hatte und mit einem blauen Auge davongekommen war. Darum schob er den Riegel schnell wieder vor, lief zum Obersten der Teufel und sprach:
Also wurde dem Bruder Lustig hinausgerufen, er solle wieder abziehen, er käme nicht herein.
, dachte er,
Er kehrte also um und zog weiter, bis er vor das Himmelstor kam, wo er auch anklopfte.
Der heilige Petrus saß gerade dabei als Torwächter. Der Bruder Lustig erkannte ihn sofort und dachte:
Aber der heilige Petrus sprach:
, sagte der heilige Petrus,
, sprach der Bruder Lustig.
, sagte der heilige Petrus.
Da reichte er den Ranzen durchs Gitter in den Himmel hinein, und der heilige Petrus nahm ihn und hing ihn neben seinen Sessel auf.
Da sprach der Bruder Lustig:
Husch, war er darin und saß nun im Himmel, und der heilige Petrus musste ihn wohl oder übel darin lassen.

