Autor: Gebrüder Grimm
Der Pakt mit dem Teufel
Ein Müller war nach und nach in Armut geraten und hatte nichts mehr als seine Mühle und einen großen Apfelbaum dahinter.
Einmal, als er in den Wald gegangen war, um Holz zu holen, trat ein alter Mann zu ihm, den er noch nie gesehen hatte, und sprach:
, dachte der Müller, willigte ein und verschrieb es dem fremden Mann. Dieser lachte jedoch höhnisch und sagte:
, und ging davon.
Als der Müller nach Hause kam, trat ihm seine Frau entgegen und sprach:
Er antwortete:
, sagte die Frau erschrocken,
Die Standhaftigkeit der Tochter
Die Müllerstochter war ein schönes und frommes Mädchen und lebte die drei Jahre in Gottesfurcht und ohne Sünde.
Als nun die Zeit um war und der Tag kam, an dem der Böse sie holen wollte, wusch sie sich rein und zog mit Kreide einen Kreis um sich. Der Teufel erschien ganz früh, aber er konnte ihr nicht nahe kommen.
Zornig sprach er zum Müller:
Der Müller fürchtete sich und tat es.
Am nächsten Morgen kam der Teufel wieder. Aber das Mädchen hatte auf seine Hände geweint, und sie waren ganz rein. Da konnte er ihr wiederum nicht nahen und sprach wütend zu dem Müller:
Der Müller entsetzte sich und antwortete:
Da drohte ihm der Böse und sprach:
Dem Vater wurde angst, und er versprach zu gehorchen. Er ging zu dem Mädchen und sagte:
Sie antwortete:
Daraufhin legte sie beide Hände hin und ließ sie sich abhauen.
Der Teufel kam zum dritten Mal. Aber sie hatte so lange und so viel auf die Stümpfe geweint, dass sie dennoch ganz rein waren. Da musste er weichen und hatte alles Recht auf sie verloren.
Die Flucht und der königliche Garten
Der Müller sprach zu ihr:
Sie antwortete jedoch:
Daraufhin ließ sie sich die verstümmelten Arme auf den Rücken binden, machte sich bei Sonnenaufgang auf den Weg und ging den ganzen Tag, bis es Nacht wurde.
Da kam sie an einen königlichen Garten. Beim Mondschein sah sie, dass Bäume voll schöner Früchte darin standen. Sie konnte jedoch nicht hinein, da ein tiefer Wassergraben den Garten umgab. Weil sie den ganzen Tag gelaufen war und keinen Bissen zu sich genommen hatte, quälte sie der Hunger. Sie dachte:
Sie kniete nieder, rief Gott den Herrn an und betete. Auf einmal kam ein Engel herbei, der schloss eine Schleuse im Wassergraben, sodass das Wasser versiegte und sie hindurchgehen konnte.
Nun ging sie in den Garten, und der Engel begleitete sie. Sie sah einen Baum voller schöner Birnen, doch diese waren alle genau gezählt. Sie trat heran und aß eine Birne mit dem Mund direkt vom Baum ab, um ihren Hunger zu stillen, aber nicht mehr.
Der Gärtner sah alles mit an. Weil aber der Engel dabei stand, fürchtete er sich und dachte, das Mädchen sei ein Geist. Er schwieg still und traute sich nicht, den Geist anzurufen. Als das Mädchen die Birne gegessen hatte, war es gesättigt, ging weg und versteckte sich im Gebüsch.
Die silbernen Hände
Der König, dem der Garten gehörte, kam am nächsten Morgen herab. Er zählte die Birnen und sah, dass eine fehlte. Er fragte den Gärtner, wo sie geblieben sei; sie läge nicht unter dem Baum und sei doch verschwunden.
Da antwortete der Gärtner:
Der König sprach:
Der Gärtner antwortete:
Der König sprach:
Als es dunkel wurde, kam der König in den Garten und brachte einen Priester mit, der den Geist ansprechen sollte. Alle drei setzten sich unter den Baum und wachten. Um Mitternacht kam das Mädchen aus dem Gebüsch gekrochen, trat zum Baum und aß wieder mit dem Mund eine Birne ab. Neben ihr stand der Engel im weißen Kleid.
Da ging der Priester auf sie zu und sprach:
Sie antwortete:
Der König sprach:
Er nahm sie mit sich in sein königliches Schloss. Weil sie so schön und fromm war, liebte er sie von Herzen. Er ließ ihr silberne Hände machen und nahm sie zur Gemahlin.
Die Intrige des Teufels
Nach einem Jahr musste der König in den Krieg ziehen. Da befahl er die junge Königin der Obhut seiner Mutter an und sprach:
Nun gebar sie einen schönen Sohn. Die alte Mutter schrieb eilig und meldete ihm die frohe Nachricht. Der Bote aber ruhte unterwegs an einem Bach aus. Da er von dem langen Weg ermüdet war, schlief er ein.
Da kam der Teufel, der der frommen Königin stets zu schaden versuchte, und vertauschte den Brief mit einem anderen. Darin stand geschrieben, dass die Königin einen Wechselbalg zur Welt gebracht habe. Als der König den Brief las, erschrak er und betrübte sich sehr. Doch er schrieb zur Antwort, sie sollten die Königin gut pflegen bis zu seiner Ankunft.
Der Bote ging mit dem Brief zurück, ruhte an derselben Stelle und schlief wieder ein. Der Teufel kam abermals und legte ihm einen anderen Brief in die Tasche. Darin stand nun, sie sollten die Königin mit ihrem Kind töten.
Die alte Mutter erschrak heftig, als sie den Brief erhielt. Sie konnte es nicht glauben und schrieb dem König noch einmal. Doch sie bekam keine andere Antwort, weil der Teufel dem Boten jedes Mal einen falschen Brief unterschob. Im letzten Brief stand sogar geschrieben, sie sollten zum Beweis Zunge und Augen der Königin aufheben.
Die Zuflucht im Wald
Die alte Mutter aber weinte darüber, dass so unschuldiges Blut vergossen werden sollte. Sie ließ in der Nacht eine Hirschkuh holen, schnitt ihr Zunge und Augen aus und hob sie auf.
Dann sprach sie zu der Königin:
Sie band ihr das Kind auf den Rücken, und die arme Frau ging mit tränenden Augen fort.
Sie kam in einen großen, wilden Wald. Dort kniete sie nieder und betete zu Gott. Der Engel des Herrn erschien ihr und führte sie zu einem kleinen Haus. Daran hing ein Schildchen mit den Worten:
Aus dem Häuschen kam eine schneeweiße Jungfrau, die sprach:
, und führte sie hinein. Sie band ihr den kleinen Knaben vom Rücken, hielt ihn an ihre Brust, damit er trank, und legte ihn dann in ein weiches Bettchen.
Da sprach die arme Frau:
Die weiße Jungfrau antwortete:
Dort blieb sie sieben Jahre lang und war wohlbehütet. Durch Gottes Gnade und wegen ihrer Frömmigkeit wuchsen ihr die abgehauenen Hände wieder nach.
Die glückliche Zusammenkunft
Der König kehrte schließlich aus dem Krieg heim, und sein erster Wunsch war es, seine Frau und sein Kind zu sehen. Da fing die alte Mutter an zu weinen und sprach:
Sie zeigte ihm die beiden Briefe, die der Böse verfälscht hatte, und sprach weiter:
, und zeigte ihm die Zunge und die Augen.
Da fing der König an, noch viel bitterer um seine arme Frau und sein Söhnlein zu weinen, sodass es die alte Mutter erbarmte und sie zu ihm sprach:
Da sprach der König:
Daraufhin zog der König umher, fast sieben Jahre lang. Er suchte sie in allen Steinklippen und Felsenhöhlen, aber er fand sie nicht und dachte, sie sei längst gestorben. Er aß und trank während dieser ganzen Zeit kaum etwas, aber Gott erhielt ihn am Leben.
Endlich kam er in den großen Wald und fand darin das kleine Häuschen, an dem das Schildchen mit den Worten hing:
Die weiße Jungfrau kam heraus, nahm ihn bei der Hand, führte ihn hinein und sprach:
, und fragte ihn, woher er käme.
Er antwortete:
Der Engel bot ihm Essen und Trinken an, er nahm es jedoch nicht an und wollte sich nur ein wenig ausruhen. Da legte er sich schlafen und deckte ein Tuch über sein Gesicht.
Daraufhin ging der Engel in die Kammer, in der die Königin mit ihrem Sohn saß, den sie gewöhnlich Schmerzenreich nannte, und sprach zu ihr:
Sie ging dorthin, wo er lag, und das Tuch fiel ihm vom Angesicht. Da sprach sie:
Das Kind hob es auf und deckte es wieder über sein Gesicht.
Das hörte der König im Schlummer und ließ das Tuch gern noch einmal heruntergleiten. Da wurde das Knäbchen ungeduldig und sagte:
Als der König das hörte, richtete er sich auf und fragte, wer sie sei. Da sagte sie:
Er sah ihre lebendigen Hände und sprach:
Sie antwortete:
und der Engel ging in die Kammer, holte die silbernen Hände und zeigte sie ihm.
Da sah er erst gewiss, dass es seine liebe Frau und sein liebes Kind waren, küsste sie, war überglücklich und sagte:
Der Engel Gottes speiste sie noch einmal zusammen, und dann gingen sie heim zur alten Mutter des Königs. Da war große Freude im ganzen Land. Der König und die Königin feierten noch einmal Hochzeit und lebten glücklich bis an ihr seliges Ende.

