Märchenstern Logo
Märchenstern - Märchen lesen und erleben
Märchen lesen und erleben

De Gaudeif un sien Meester

⏱ Lesedauer: ca. 5 Min.

Die Berufswahl des Vaters

Jan wollte seinen Sohn ein Handwerk lernen lassen. Da ging Jan in die Kirche und betete zu unserem Herrgott, was wohl das Beste für ihn wäre. Da steht der Küster hinter dem Altar und ruft:

„Das Diebeshandwerk, das Diebeshandwerk!“

Da geht Jan wieder zu seinem Sohn und meint, er müsse das Diebeshandwerk lernen, das habe ihm unser Herrgott so gesagt. Er geht mit seinem Sohn fort und sucht einen Mann, der die Diebeskunst versteht.

Sie gehen eine ganze Weile und kommen in einen großen Wald. Dort steht ein kleines Häuschen mit einer alten Frau darin. Jan fragt:

„Wisst ihr nicht einen Mann, der das Diebeshandwerk versteht?“

„Das könnt ihr hier wohl lernen“

, sagt die Frau,

„mein Sohn ist ein Meister darin.“

Da spricht Jan mit dem Sohn, ob er das Diebeshandwerk auch recht gut könne. Der Diebesmeister sagt:

„Ich will euren Sohn wohl unterrichten. Kommt in einem Jahr wieder. Wenn ihr euren Sohn dann noch wiedererkennt, will ich gar kein Lehrgeld haben. Erkennt ihr ihn aber nicht, so müsst ihr mir zweihundert Taler zahlen.“

Die schwere Erkennungsprobe

Der Vater geht wieder nach Hause, und der Sohn lernt fleißig das Zaubern und Stehlen. Als das Jahr um ist, geht der Vater wieder hin und grübelt traurig auf dem Weg, wie er es wohl anstellen soll, dass er seinen Sohn wiedererkennt.

Wie er so dahingeht und klagt, begegnet ihm ein kleines Männchen. Das fragt:

„Mann, warum klagt ihr so? Ihr seid ja ganz betrübt.“

„Oh“

, sagt Jan,

„ich habe meinen Sohn vor einem Jahr bei einem Diebesmeister in die Lehre gegeben. Der sagte mir, ich solle nach einem Jahr wiederkommen. Wenn ich meinen Sohn dann nicht wiedererkenne, müsse ich ihm zweihundert Taler zahlen. Wenn ich ihn aber erkenne, brauche ich nichts zu bezahlen. Nun habe ich große Angst, dass ich ihn nicht wiedererkenne, und ich weiß nicht, wo ich das Geld hernehmen soll.“

Da sagt das Männchen, er solle ein Krüstchen Brot mitnehmen, sich unter den Kamin stellen und nach oben blicken:

„Dort auf der Kaminplatte steht ein Körbchen, aus dem ein Vögelchen herausschaut. Das ist euer Sohn.“

Da geht Jan hin und wirft ein Krüstchen Schwarzbrot vor den Korf. Da kommt das Vögelchen heraus und blickt darauf.

„Holla, mein Sohn, bist du hier?“

, sagt der Vater.

Da freute sich der Sohn, dass er seinen Vaters sah. Der Lehrmeister aber rief zornig:

„Das hat euch der Teufel eingegeben! Wie hättet ihr sonst euren Sohn erkennen können?“

„Vater, lass uns gehen!“

, sagte der Junge.

Die Flucht und der Zaubertrick

Da will der Vater mit seinem Sohn nach Hause gehen. Unterwegs kommt eine Kutsche gefahren. Da sagt der Sohn zu seinem Vater:

„Ich will mich in einen großen Windhund verwandeln. Dann könnt ihr viel Geld mit mir verdienen.“

Da ruft der Herr aus der Kutsche:

„Mann, wollt ihr den Hund verkaufen?“

„Ja“

, sagte der Vater.

„Wie viel Geld wollt ihr dafür haben?“

„Dreißig Taler.“

„Nun, Mann, das ist zwar viel, aber da es so ein außergewöhnlich schöner Rüde ist, will ich ihn behalten.“

Der Herr nimmt den Hund in seine Kutsche auf. Als er ein kleines Stück weggefahren ist, springt der Hund aus dem Fenster der Kutsche, dass die Scheiben klirren. Da war er kein Windhund mehr und stand wieder bei seinem Vater. So gehen sie zusammen nach Hause.

Das verkaufte Pferd und das magische Duell

Am nächsten Tag ist Markt im Nachbardorf. Da sagt der Junge zu seinem Vater:

„Ich will mich nun in ein schönes Pferd verwandeln, dann verkauft mich. Aber wenn ihr mich verkauft, müsst ihr mir unbedingt den Zaum abnehmen, sonst kann ich mich nicht wieder in einen Menschen zurückverwandeln.“

Da zieht der Vater mit dem Pferd zum Markt. Da kommt der Diebesmeister und kauft das Pferd für hundert Taler. Der Vater vergisst jedoch in der Aufregung, ihm den Zaum abzunehmen.

Der Meister führt das Pferd nach Hause und stellt es in den Stall. Als die Magd über die Diele geht, sagt das Pferd:

„Zieh mir den Zaum aus, zieh mir den Zaum aus!“

Da bleibt die Magd stehen und horcht verwundert:

„Ei, kannst du sprechen?“

Sie geht hin und zieht ihm den Zaum ab.

Da verwandelt sich das Pferd in einen Sperling und fliegt über die Tür davon. Der Hexenmeister verwandelt sich ebenfalls in einen Sperling und fliegt ihm hinterher. Sie treffen aufeinander und bekämpfen sich in der Luft. Doch der Meister verliert und flieht ins Wasser, wo er sich in einen Fisch verwandelt. Da wird der Junge ebenfalls zum Fisch, und sie beißen sich wieder im Wasser, bis der Meister erneut zu unterliegen droht.

Da verwandelt sich der Meister in ein Huhn. Der Junge aber verwandelt sich in einen Fuchs und beißt dem Huhn den Kopf ab. Da war der Meister tot, und er liegt tot bis auf den heutigen Tag.