Autor: Gebrüder Grimm
59.
Wurst und Bier im Keller
Es war ein Mann, der hieß Frieder, und eine Frau, die hieß Catherlieschen. Die hatten einander geheiratet und lebten zusammen als junge Eheleute.
Eines Tages sprach der Frieder:
, antwortete das Catherlies,
Als nun die Essenszeit herbeirückte, holte sie eine Wurst aus dem Schornstein, tat sie in eine Bratpfanne, legte Butter dazu und stellte sie übers Feuer. Die Wurst fing an zu braten und zu brutzeln. Catherlieschen stand dabei, hielt den Pfannenstiel und hatte so seine Gedanken. Da fiel ihm ein:
Also stellte es den Pfannenstiel fest, nahm eine Kanne, ging hinab in den Keller und zapfte Bier.
Das Bier lief in die Kanne, und Catherlieschen sah ihm zu. Da fiel ihm ein:
Und im Hui war es die Kellertreppe hinauf. Aber der Spitz hatte die Wurst schon im Maul und schleifte sie auf der Erde mit sich fort.
Doch Catherlieschen, nicht faul, setzte ihm nach und jagte ihn ein gutes Stück ins Feld. Aber der Hund war geschwinder als Catherlieschen, ließ auch die Wurst nicht fahren, sondern hüpfte mit ihr über die Äcker davon.
, sprach Catherlieschen, kehrte um, und weil es sich müde gelaufen hatte, ging es hübsch langsam und kühlte sich ab.
Während dieser Zeit lief das Bier aus dem Fass immer weiter, denn Catherlieschen hatte den Hahn nicht umgedreht. Als die Kanne voll und sonst kein Platz mehr da war, lief es in den Keller. Es hörte nicht eher auf, als bis das ganze Fass leer war. Catherlieschen sah schon auf der Treppe das Unglück.
, rief es,
Es besann sich ein Weilchen. Endlich fiel ihm ein, dass von der letzten Kirmes noch ein Sack mit schönem Weizenmehl auf dem Dachboden stände. Das wollte es herabholen und in das Bier streuen.
, sprach es,
, stieg auf den Boden, trug den Sack herab und warf ihn gerade auf die Kanne voll Bier, dass sie umstürzte und der Trunk des Frieders auch im Keller schwamm.
, sprach Catherlieschen,
, und zerstreute das Mehl im ganzen Keller. Als es fertig war, freute es sich gewaltig über seine Arbeit und sagte:
Um Mittagszeit kam der Frieder heim.
, antwortete sie,
Sprach der Frieder:
Der Topf voll Gold
Der Mann dachte:
Nun hatte er eine hübsche Summe Taler zusammengebracht. Die wechselte er in Gold ein und sprach zum Catherlieschen:
Sprach sie:
Nun, als der Frieder fort war, kamen Krämer, die irdene Näpfe und Töpfe feilboten, ins Dorf und fragten bei der jungen Frau an, ob sie nichts zu handeln hätte.
, sprach Catherlieschen,
Die Spitzbuben gingen hin, gruben und fanden eitel Gold. Da packten sie es ein, liefen fort und ließen Töpfe und Näpfe im Hause stehen. Catherlieschen meinte, sie müsste das neue Geschirr auch gebrauchen. Weil nun in der Küche ohnehin kein Mangel daran war, schlug sie jedem Topf den Boden aus und steckte sie insgesamt als Zierrat auf die Zaunpfähle rings um das Haus herum.
Als der Frieder kam und den neuen Zierrat sah, sprach er:
, sprach der Frieder,
, antwortete sie,
Die Verfolgung der Krämer
Catherlieschen stand ein Weilchen und besann sich. Da sprach sie:
, sprach der Frieder,
Sie machten sich auf den Weg. Weil der Frieder besser zu Fuß war, ging Catherlieschen hinten nach.
, dachte es,
Nun kam es an einen Berg, wo auf beiden Seiten des Weges tiefe Fahrgleise waren.
, sprach Catherlieschen,
Und aus mitleidigem Herzen nahm es seine Butter und bestrich die Gleise rechts und links, damit sie von den Rädern nicht so gedrückt würden.
Wie es sich bei seiner Barmherzigkeit so bückte, rollte ihm ein Käse aus der Tasche den Berg hinab. Sprach das Catherlieschen:
Also nahm es einen anderen Käse und rollte ihn hinab. Die Käse kamen aber nicht wieder. Da ließ es noch einen dritten hinablaufen und dachte:
Als sie alle drei ausblieben, sprach es:
Der vierte machte es aber nicht besser als der dritte. Da wurde das Catherlieschen ärgerlich und warf noch den fünften und sechsten hinab, und das waren die letzten.
Eine Zeit lang blieb es stehen und lauerte, dass sie kämen. Als sie aber immer nicht kamen, sprach es:
Catherlieschen ging fort und fand den Frieder. Der war stehen geblieben und hatte gewartet, weil er gerne etwas essen wollte.
Sie reichte ihm das trockene Brot.
, fragte der Mann.
, sagte Catherlieschen,
Sprach der Frieder:
Das bewachte Haus
Da aßen sie das trockene Brot zusammen, und der Frieder sagte:
Catherlieschen ging zurück und dachte:
Danach riegelte es die Obertüre zu, aber die Untertüre hob es aus, nahm sie auf die Schulter und glaubte, wenn es die Türe in Sicherheit gebracht hätte, müsste das Haus wohl bewahrt sein.
Catherlieschen nahm sich Zeit für den Weg und dachte:
Als es ihn wieder erreicht hatte, sprach es:
, sprach er,
Die Diebe im Wald
Nun gingen sie in den Wald und suchten die Spitzbuben, aber sie fanden sie nicht. Weil es endlich dunkel wurde, stiegen sie auf einen Baum und wollten dort übernachten. Kaum aber saßen sie oben, da kamen die Kerle daher, die forttragen, was nicht mitgehen will, und die Dinge finden, ehe sie verloren sind. Sie ließen sich gerade unter dem Baum nieder, auf dem Frieder und Catherlieschen saßen, machten ein Feuer an und wollten ihre Beute teilen.
Der Frieder stieg auf der anderen Seite herab und sammelte Steine, stieg damit wieder hinauf und wollte die Diebe totwerfen. Die Steine trafen aber nicht, und die Spitzbuben riefen:
Catherlieschen hatte die Türe noch immer auf der Schulter. Weil sie so schwer drückte, dachte es, die Hutzeln wären schuld, und sprach:
, antwortete er,
Da rollten die Hutzeln zwischen den Ästen herab, und die Kerle unten sprachen:
Eine Weile danach, weil die Türe noch immer drückte, sprach Catherlieschen:
Da schüttete es den Essig aus, sodass er die Kerle bespritzte. Sie sprachen untereinander:
Endlich dachte Catherlieschen:
, und sprach:
, antwortete Frieder ärgerlich,
Da fiel sie herunter mit starkem Gepolter, und die Kerle unten riefen:
, rissen aus und ließen alles im Stich. Frühmorgens, als die zwei herunterkamen, fanden sie all ihr Gold wieder und trugen es heim.
Die Verwirrung auf dem Feld
Als sie wieder zu Hause waren, sprach der Frieder:
Als Catherlieschen im Feld war, sprach es mit sich selber:
Da aß Catherlieschen und wurde über dem Essen schläfrig. Es fing an zu schneiden und schnitt halb träumend all seine Kleider entzwei: Schürze, Rock und Hemd.
Als Catherlieschen nach langem Schlaf wieder erwachte, stand es halb nackt da und sprach zu sich selber:
Unterdessen wurde es Nacht. Da lief Catherlieschen ins Dorf hinein, klopfte an seines Mannes Fenster und rief:
, antwortete der Frieder,
Sprach sie:
, und lief fort.
Katherlieschen und die Diebe
Draußen fand Catherlieschen Spitzbuben, die stehlen wollten. Da ging es zu ihnen und sprach:
Die Spitzbuben meinten, es wüsste die Gelegenheit des Ortes, und waren es zufrieden.
Catherlieschen ging vor die Häuser und rief:
Dachten die Spitzbuben:
, und wünschten, sie wären das Catherlieschen wieder los. Da sprachen sie zu ihm:
Catherlieschen ging hinaufs Land und fing an zu rupfen, war aber so faul und hob sich nicht in die Höhe. Da kam ein Mann vorbei, sah es, stand still und dachte, das wäre der Teufel, der so in den Rüben wühlte. Er lief fort ins Dorf zum Pfarrer und sprach:
, antwortete der Pfarrer,
Sprach der Mann:
, und trug ihn huckepack hinaus.
Und als sie an das Land kamen, machte sich das Catherlieschen auf und reckte sich in die Höhe.
, rief der Pfarrer, und beide eilten fort. Und der Pfarrer konnte vor großer Angst mit seinem lahmen Fuße schneller laufen als der Mann, der ihn getragen hatte, mit seinen gesunden Beinen.

