Autor: Gebrüder Grimm
Die Suche nach dem Gevatter
Es hatte ein armer Mann zwölf Kinder und musste Tag und Nacht arbeiten, damit er ihnen nur Brot geben konnte. Als nun das dreizehnte zur Welt kam, wusste er sich in seiner Not nicht zu helfen. Er lief hinaus auf die große Landstraße und wollte den ersten, der ihm begegnete, zu Gevatter bitten.
Der erste, der ihm begegnete, das war der liebe Gott. Der wusste schon, was er auf dem Herzen hatte, und sprach zu ihm:
Der Mann sprach:
, sagte der Mann,
Das sprach der Mann, weil er nicht wusste, wie weislich Gott Reichtum und Armut verteilt. Also wendete er sich von dem Herrn und ging weiter.
Da trat der Teufel zu ihm und sprach:
Der Mann fragte:
, sprach der Mann,
Er ging weiter, da kam der dürrbeinige Tod auf ihn zugeschritten und sprach:
Der Mann fragte:
Da sprach der Mann:
Der Tod antwortete:
Der Mann sprach:
Der Tod erschien, wie er versprochen hatte, und stand ganz ordentlich Gevatter.
Das Patengeschenk des Todes
Als der Knabe zu Jahren gekommen war, trat zu einer Zeit der Pate ein und hieß ihn mitgehen. Er führte ihn hinaus in den Wald, zeigte ihm ein Kraut, das da wuchs, und sprach:
Es dauerte nicht lange, so war der Jüngling der berühmteste Arzt auf der ganzen Welt.
, so hieß es von ihm. Weit und breit kamen die Leute herbei, holten ihn zu den Kranken und gaben ihm so viel Gold, dass er bald ein reicher Mann war.
Der König wird gesund
Nun trug es sich zu, dass der König erkrankte. Der Arzt wurde berufen und sollte sagen, ob Genesung möglich wäre. Wie er aber zu dem Bette trat, so stand der Tod zu den Füßen des Kranken, und da war für ihn kein Kraut mehr gewachsen.
, dachte der Arzt.
Er fasste also den Kranken und legte ihn verkehrt herum, so dass der Tod zu Häupten desselben zu stehen kam. Dann gab er ihm von dem Kraute ein, und der König erholte sich und wurde wieder gesund.
Der Tod aber kam zu dem Arzte, machte ein böses und finsteres Gesicht, drohte mit dem Finger und sagte:
Die Königstochter in Gefahr
Bald hernach verfiel die Tochter des Königs in eine schwere Krankheit. Sie war sein einziges Kind. Er weinte Tag und Nacht, dass ihm die Augen erblindeten, und ließ bekannt machen: Wer sie vom Tode errettete, der sollte ihr Gemahl werden und die Krone erben.
Der Arzt, als er zu dem Bette der Kranken kam, erblickte den Tod zu ihren Füßen. Er hätte sich der Warnung seines Paten erinnern sollen, aber die große Schönheit der Königstochter und das Glück, ihr Gemahl zu werden, betörten ihn so, dass er alle Gedanken in den Wind schlug. Er sah nicht, dass der Tod ihm zornige Blicke zuwarf, die Hand in die Höhe hob und mit der dürren Faust drohte. Er hob die Kranke auf und legte ihr Haupt dahin, wo die Füße gelegen hatten. Dann gab er ihr das Kraut ein, und alsbald röteten sich ihre Wangen, und das Leben regte sich von neuem.
Die Lebenslichter
Der Tod, als er sich zum zweiten Mal um sein Eigentum betrogen sah, ging mit langen Schritten auf den Arzt zu und sprach:
Er packte ihn mit seiner eiskalten Hand so hart, dass er nicht widerstehen konnte, und führte ihn in eine unterirdische Höhle. Da sah er, wie Tausende und Abertausende Lichter in unübersehbaren Reihen brannten, einige groß, andere halbgroß, andere klein. Jeden Augenblick verloschen einige, und andere brannten wieder auf, so dass die Flämmchen in beständigem Wechsel hin und her zu hüpfen schienen.
, sprach der Tod,
, sagte der Arzt und meinte, es wäre noch recht groß.
Der Tod deutete auf ein kleines Endchen, das eben auszugehen drohte, und sagte:
, sagte der erschrockene Arzt,
, antwortete der Tod,
, bat der Arzt.
Der Tod stellte sich, als ob er seinen Wunsch erfüllen wollte, und langte ein frisches, großes Licht herbei. Weil er sich aber rächen wollte, versah er es beim Umstecken absichtlich. Das Stückchen fiel um und verlosch. Alsbald sank der Arzt zu Boden und war nun selbst in die Hand des Todes geraten.

