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Der Wolf und der Mensch

⏱ Lesedauer: ca. 3 Min.

Die Prahlerei des Wolfes

Der Fuchs erzählte einmal dem Wolf von der Stärke des Menschen. Er meinte, kein Tier könnte ihm widerstehen, und sie müssten List gebrauchen, um sich vor ihm zu schützen.

Da antwortete der Wolf stolz:

„Wenn ich nur einmal einen Menschen zu sehen bekäme, ich wollte doch auf ihn losgehen!“

„Dazu kann ich dir helfen“

, sprach der Fuchs.

„Komm nur morgen früh zu mir, dann will ich dir einen zeigen.“

Die Begegnung auf dem Jägerpfad

Der Wolf stellte sich frühzeitig ein, und der Fuchs brachte ihn hinaus an den Weg, den der Jäger jeden Tag ging.

Zuerst kam ein alter, abgedankter Soldat des Weges.

„Ist das ein Mensch?“

, fragte der Wolf.

„Nein“

, antwortete der Fuchs,

„das ist einer gewesen.“

Danach kam ein kleiner Knabe, der zur Schule wollte.

„Ist das ein Mensch?“

„Nein, das will erst einer werden.“

Endlich kam der Jäger mit der Doppelflinte auf dem Rücken und dem Hirschfänger an der Seite. Da sprach der Fuchs zum Wolf:

„Siehst du, dort kommt ein Mensch. Auf den musst du losgehen, ich aber will mich schnell in meine Höhle verziehen.“

Der Wolf ging nun auf den Menschen los. Der Jäger sah ihn kommen und dachte:

„Es ist schade, dass ich keine Kugel geladen habe.“

Er legte an und schoss dem Wolf das Schrot ins Gesicht. Der Wolf verzog das Gesicht gewaltig vor Schmerz, doch er ließ sich nicht abschrecken und ging weiter vorwärts. Da verpasste ihm der Jäger die zweite Ladung. Der Wolf verbiss den Schmerz und rückte dem Jäger ganz nah zu Leibe. Da zog dieser seinen blanken Hirschfänger und versetzte ihm links und rechts ein paar Hiebe, sodass der Wolf über und über blutend und laut heulend zum Fuchs zurücklief.

Der Bericht des Wolfes

„Nun, Bruder Wolf“

, sprach der Fuchs,

„wie bist du mit dem Menschen fertiggeworden?“

„Ach“

, antwortete der Wolf,

„so habe ich mir die Stärke des Menschen nicht vorgestellt! Erst nahm er einen Stock von der Schulter und blies hinein, da flog mir etwas ins Gesicht, das hat mich ganz entsetzlich gekitzelt. Danach pustete er noch einmal in den Stock, da flog es mir um die Nase wie Blitz und Hagelwetter. Und als ich ganz nah bei ihm war, zog er eine blanke Rippe aus dem Leib, mit der hat er so auf mich eingeschlagen, dass ich beinahe tot liegen geblieben wäre.“

„Siehst du“

, sprach der Fuchs,

„was du für ein Prahlhans bist. Du wirfst das Beil so weit, dass du es nicht wiederholen kannst.“