Autor: Gebrüder Grimm
Der goldene Fisch und das plötzliche Schloss
Es war einmal ein armer Mann und eine arme Frau, die hatten nichts als eine kleine Hütte. Sie nährten sich vom Fischfang, und bei ihnen ging es von Hand zu Mund.
Es geschah aber, als der Mann eines Tages beim Wasser saß und sein Netz auswarf, dass er einen Fisch herauszog, der ganz golden war. Als er den Fisch voll Verwunderung betrachtete, fing dieser an zu reden und sprach:
Da antwortete der Fischer:
Der Goldfisch sprach weiter:
, sprach der Mann,
, sagte der Fisch,
Das gebrochene Versprechen
Der Mann warf den wunderbaren Fisch wieder ins Wasser und ging heim. Wo aber sonst seine Hütte gestanden hatte, da stand jetzt ein großes Schloss. Er machte große Augen, trat hinein und sah seine Frau, mit schönen Kleidern geputzt, in einer prächtigen Stube sitzen.
Sie war ganz vergnügt und sprach:
, sagte der Mann,
Die Frau erwiderte:
, sagte der Mann.
Als sie den Schrank aufschloss, stand darin Kuchen, Fleisch, Obst und Wein, dass es einen ordentlich anlachte. Da rief die Frau voll Freude:
, und sie setzten sich nieder, aßen und tranken zusammen.
Als sie satt waren, fragte die Frau:
, antwortete er,
, sprach sie,
Das war aber nicht ihr Ernst. Es ließ ihr Tag und Nacht keine Ruhe, und sie quälte und stachelte den Mann so lange, bis er in seiner Ungeduld erzählte, dass alles von einem wunderbaren goldenen Fisch käme, den er gefangen und wieder freigelassen hatte. In dem Moment, als es ausgesprochen war, verschwand das schöne Schloss samt dem Schrank, und sie saßen wieder in der alten Fischerhütte.
Der Mann musste wieder von vorn anfangen, seinem Gewerbe nachgehen und fischen. Das Glück wollte es aber, dass er den goldenen Fisch ein zweites Mal herauszog.
, sprach der Fisch,
, antwortete der Fischer und warf den Fisch ins Wasser hinab.
Daheim war nun alles wieder in der vorigen Herrlichkeit, und die Frau freute sich über das Glück. Doch die Neugierde ließ ihr keine Ruhe, sodass sie nach ein paar Tagen wieder zu fragen begann, wie es zugegangen sei und wie er es angefangen habe. Der Mann schwieg eine Zeit lang still dazu. Am Ende aber machte sie ihn so ärgerlich, dass er herausplatzte und das Geheimnis verriet. Im selben Augenblick verschwand das Schloss, und sie saßen wieder in der alten Hütte.
, sagte der Mann.
, sprach die Frau,
Die sechs Teile des Fisches
Der Mann ging wieder fischen, und nach einer Weile geschah es erneut: Er holte den Goldfisch zum dritten Mal heraus.
, sprach der Fisch,
Der Mann nahm den Fisch mit nach Hause und tat, wie ihm gesagt worden war. Da geschah es, dass aus den zwei Stücken, die in die Erde gelegt worden waren, zwei goldene Lilien aufwuchsen. Das Pferd bekam zwei goldene Fohlen, und des Fischers Frau gebar zwei Kinder, die ganz golden waren.
Die Kinder wuchsen heran, wurden groß und schön, und die Lilien und Pferde wuchsen mit ihnen. Da sprachen sie:
Er aber antwortete betrübt:
Da sagten sie:
Die Bärenfell-Verkleidung
Sie ritten fort und kamen in ein Wirtshaus, in dem viele Leute waren. Als diese die zwei Goldkinder erblickten, fingen sie an zu lachen und zu spotten. Als der eine Bruder das Gespött hörte, schämte er sich, wollte nicht weiter in die Welt, kehrte um und kam wieder heim zu seinem Vater. Der andere aber ritt weiter und gelangte an einen großen Wald.
Als er hineinreiten wollte, sprachen die Leute:
Er aber ließ sich nicht erschrecken und sprach:
Da nahm er Bärenfelle und überzog sich und sein Pferd damit, sodass nichts mehr vom Gold zu sehen war, und ritt getrost in den Wald hinein. Als er ein Stück fortgeritten war, hörte er es im Gebüsch rauschen und vernahm Stimmen, die miteinander sprachen.
Von der einen Seite rief es:
Von der anderen aber hieß es:
So ritt das Goldkind glücklich durch den Wald, und es geschah ihm kein Leid.
Die Jagd und der steinerne Bruder
Eines Tages kam er in ein Dorf, in dem er ein Mädchen sah. Es war so schön, dass er nicht glaubte, es könnte ein schöneres auf der Welt geben. Weil er eine so große Liebe zu ihr empfand, ging er zu ihr und sagte:
Er gefiel dem Mädchen ebenfalls so sehr, dass es einwilligte und sprach:
Nun feierten sie Hochzeit zusammen. Als sie in der größten Freude waren, kam der Vater der Braut heim. Als er sah, dass seine Tochter Hochzeit feierte, wunderte er sich und sprach:
Sie zeigten ihm das Goldkind, das aber noch seine Bärenfelle umhatte.
Da sprach der Vater zornig:
, und wollte ihn töten.
Da bat ihn die Braut inständig und sprach:
, bis er sich schließlich besänftigen ließ. Doch es ging ihm nicht aus dem Sinn, sodass er am nächsten Morgen früh aufstand und nach dem Mann seiner Tochter sehen wollte, ob er ein gemeiner und verlumpter Bettler sei.
Als er aber hinblickte, sah er einen herrlichen, goldenen Mann im Bett liegen, und die abgeworfenen Bärenfelle lagen auf dem Boden. Da ging er zurück und dachte:
Dem Goldkind aber träumte, er zöge hinaus auf die Jagd nach einem prächtigen Hirsch. Als er am Morgen erwachte, sprach er zu seiner Frau:
Ihr war bang, und sie bat ihn dazubleiben und sagte:
Aber er antwortete:
Da stand er auf und zog hinaus in den Wald. Es dauerte gar nicht lange, da stand ein stolzer Hirsch vor ihm, ganz wie in seinem Traum. Er legte an und wollte schießen, aber der Hirsch sprang fort. Da jagte er ihm nach, über Gräben und durch Gebüsche, und wurde den ganzen Tag nicht müde. Am Abend aber verschwand der Hirsch vor seinen Augen.
Als sich das Goldkind umsah, stand er vor einem kleinen Haus. Darin saß eine Hexe. Er klopfte an, und eine alte Frau kam heraus und fragte:
Er sprach:
, antwortete sie,
Ein Hündchen, das mit ihr aus dem Haus gekommen war, bellte den Mann dabei heftig an.
, sprach er,
Da rief die Hexe zornig:
, und verwandelte ihn augenblicklich, sodass er wie ein Stein dalag. Seine Frau erwartete ihn umsonst und dachte:
Die Rettung
Daheim aber stand der andere Bruder bei den Goldlilien, als plötzlich eine davon umfiel.
, sprach er,
Da sagte der Vater:
Er aber antwortete:
Er setzte sich auf sein goldenes Pferd, ritt fort und kam in den großen Wald, wo sein Bruder als Stein lag. Die alte Hexe kam aus ihrem Haus, rief ihn an und wollte auch ihn verzaubern. Aber er näherte sich ihr nicht, sondern sprach:
Sie rührte, so ungern sie es auch tat, den Stein mit dem Finger an, und augenblicklich erhielt er sein menschliches Leben zurück. Die beiden Goldkinder freuten sich, als sie sich wiedersahen, küssten und herzten sich und ritten zusammen fort aus dem Wald – der eine zu seiner Frau, der andere heim zu seinem Vater.
Da sprach der Vater:
Nun lebten sie vergnügt, und es ging ihnen wohl bis an ihr Ende.

