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Märchen lesen und erleben

Die Hochzeit der Frau Füchsin

⏱ Lesedauer: ca. 4 Min.

Erstes Märchen: Die Versuchung mit den neun Schwänzen

Es war einmal ein alter Fuchs mit neun Schwänzen, der glaubte, seine Frau wäre ihm nicht treu, und wollte sie in Versuchung führen. Er streckte sich unter die Bank, regte kein Glied und stellte sich, als wenn er mausetot wäre. Die Frau Füchsin ging auf ihre Kammer, schloss sich ein, und ihre Magd, die Jungfer Katze, saß auf dem Herd und kochte.

Als es nun bekannt ward, dass der alte Fuchs gestorben war, so meldeten sich die Freier. Da hörte die Magd, dass jemand vor der Haustür stand und anklopfte. Sie ging und machte auf, und da war es ein junger Fuchs, der sprach:

„Was macht sie, Jungfer Katze? Schläft sie oder wacht sie?“

Sie antwortete:

„Ich schlafe nicht, ich wache. Will er wissen, was ich mache? Ich koche warmes Bier, tue Butter hinein: Will der Herr mein Gast sein?“

„Ich bedanke mich, Jungfer“

, sagte der Fuchs,

„was macht die Frau Füchsin?“

Die Magd antwortete:

„Sie sitzt auf ihrer Kammer, sie beklagt ihren Jammer, weint ihre Äuglein seidenrot, weil der alte Herr Fuchs ist tot.“

„Sag sie ihr doch, Jungfer, es wäre ein junger Fuchs da, der wollte sie gerne freien.“

„Schon gut, junger Herr.“

Da ging die Katze tripp, trapp, da schlug die Tür klipp, klapp.

„Frau Füchsin, sind Sie da?“

„Ach ja, mein Kätzchen, ja.“

„Es ist ein Freier drauß.“

„Mein Kind, wie sieht er aus? Hat er denn auch neun so schöne Zeiselschwänze wie der selige Herr Fuchs?“

„Ach nein“

, antwortete die Katze,

„er hat nur einen.“

„So will ich ihn nicht haben.“

Die Jungfer Katze ging hinab und schickte den Freier fort. Bald darauf klopfte es wieder an, und es war ein anderer Fuchs vor der Tür, der wollte die Frau Füchsin freien. Er hatte zwei Schwänze, aber es ging ihm nicht besser als dem ersten. Danach kamen noch andere, immer mit einem Schwanz mehr, die alle abgewiesen wurden, bis zuletzt einer kam, der neun Schwänze hatte wie der alte Herr Fuchs.

Als die Witwe das hörte, sprach sie voll Freude zu der Katze:

„Nun macht mir Tor und Türe auf, und kehrt den alten Herrn Fuchs hinaus.“

Als aber eben die Hochzeit gefeiert werden sollte, da regte sich der alte Herr Fuchs unter der Bank, prügelte das ganze Gesindel durch und jagte es samt der Frau Füchsin zum Haus hinaus.

Zweites Märchen: Die Suche nach dem roten Höslein

Als der alte Herr Fuchs gestorben war, kam der Wolf als Freier, klopfte an die Türe, und die Katze, die als Magd bei der Frau Füchsin diente, machte auf. Der Wolf grüßte sie und sprach:

„Guten Tag, Frau Katze von Kehrewitz, wie kommt es, dass sie alleine sitzt? Was macht sie Gutes da?“

Die Katze antwortete:

„Brocke mir Wecke und Milch ein: Will der Herr mein Gast sein?“

„Dankeschön, Frau Katze“

, antwortete der Wolf.

„Ist die Frau Füchsin nicht zu Haus?“

Die Katze sprach:

„Sie sitzt droben in der Kammer, beweint ihren Jammer, beweint ihre große Not, dass der alte Herr Fuchs ist tot.“

Der Wolf antwortete:

„Will sie haben einen anderen Mann, so soll sie nur heruntergahn.“

Die Katze, die lief die Treppe hinan, und ließ ihr Schwänzchen rummergahn, bis sie kam vor den langen Saal, klopfte an mit ihren fünf goldenen Ringen:

„Frau Füchsin, ist sie drinnen? Will sie haben einen anderen Mann, so soll sie nur heruntergahn.“

Die Frau Füchsin fragte:

„Hat der Herr rote Höslein an, und hat er ein spitzes Mäulchen?“

„Nein“

, antwortete die Katze.

„So kann er mir nicht dienen.“

Als der Wolf abgewiesen war, kam ein Hund, ein Hirsch, ein Hase, ein Bär, ein Löwe und nacheinander alle Waldtiere. Aber es fehlte immer eine von den guten Eigenschaften, die der alte Herr Fuchs gehabt hatte, und die Katze musste den Freier jedes Mal wegschicken.

Endlich kam ein junger Fuchs. Da sprach die Frau Füchsin:

„Hat der Herr rote Höslein an, und hat er ein spitzes Mäulchen?“

„Ja“

, sagte die Katze,

„das hat er.“

„So soll er heraufkommen“

, sprach die Frau Füchsin und hieß die Magd das Hochzeitsfest bereiten.

„Katze, kehr die Stube aus, und schmeiß den alten Fuchs zum Fenster hinaus. Er brachte so manche dicke, fette Maus, fraß sie aber immer alleine und gab mir keine.“

Da ward die Hochzeit gehalten mit dem jungen Herrn Fuchs, und es ward gejubelt und getanzt; und wenn sie nicht aufgehört haben, so tanzen sie noch.