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Märchen lesen und erleben

Häsichenbraut

⏱ Lesedauer: ca. 3 Min.

Das Häschen im Kohlgarten

Es war einmal eine Frau mit einer Tochter, die hatten einen schönen Garten mit Kohl. Dahin kam ein kleines Häschen und fraß zur Winterszeit den ganzen Kohl weg.

Da sagte die Frau zu ihrer Tochter:

„Geh in den Garten und jage das Häschen fort.“

Das Mädchen ging hin und rief dem Häschen zu:

„Schu, schu, du Häschen, du frisst ja all unseren Kohl!“

Das Häschen aber antwortete:

„Komm, Mädchen, setz dich auf mein Hasenschwänzchen und komm mit mir in mein Hasenhüttchen.“

Das Mädchen wollte aber nicht.

Am nächsten Tag kam das Häschen wieder und fraß erneut vom Kohl. Da sagte die Frau wieder zur Tochter:

„Geh in den Garten und jage das Häschen fort.“

Das Mädchen rief wieder:

„Schu, schu, du Häschen, du frisst ja all unseren Kohl!“

Das Häschen sprach:

„Komm, Mädchen, setz dich auf mein Hasenschwänzchen und komm mit mir in mein Hasenhüttchen.“

Das Mädchen wollte wieder nicht.

Am dritten Tag kam das Häschen abermals und fraß den Kohl. Da sprach die Frau zum dritten Mal:

„Geh in den Garten und jage das Häschen fort.“

Das Mädchen rief:

„Schu, schu, du Häschen, du frisst ja all unseren Kohl!“

Das Häschen sprach:

„Komm, Mädchen, setz dich auf mein Hasenschwänzchen und komm mit mir in mein Hasenhüttchen.“

Da setzte sich das Mädchen schließlich auf das Hasenschwänzchen.

Der Weg zum Hasenhüttchen

Das Häschen brachte das Mädchen weit fort in sein kleines Hüttchen und sagte:

„Nun koche Grünkohl und Hirse, ich will die Hochzeitsleute einladen.“

Bald kamen alle Hochzeitsgäste zusammen. Wer das war? Das kann ich dir sagen, wie es mir erzählt wurde: Es waren lauter Hasen. Die Krähe war als Pfarrer dabei, um die Brautleute zu trauen, der Fuchs war der Küster, und der Altar stand unter dem Regenbogen.

Die unglückliche Braut

Das Mädchen aber war sehr traurig, weil es so ganz alleine unter den Hasen war.

Da kam das Häschen und rief:

„Mach auf, mach auf! Die Hochzeitsleute sind lustig und munter.“

Die Braut aber sagte nichts und weinte nur. Das Häschen ging wieder fort.

Nach einer Weile kam das Häschen wieder und sprach:

„Mach auf, mach auf! Die Hochzeitsleute haben Hunger.“

Die Braut sagte wieder nichts und weinte nur. Das Häschen ging erneut fort.

Das Häschen kam zum dritten Mal und sprach:

„Mach auf, mach auf! Die Hochzeitsleute warten schon.“

Da schwieg die Braut noch immer, und das Häschen ging wieder hinaus.

Die Strohpuppe am Kessel

Nun baute das Mädchen eine Puppe aus Stroh, zog ihr ihre eigenen Kleider an, gab ihr einen Rührlöffel in die Hand, setzte sie an den Kessel mit der kochenden Hirse und lief heim zu ihrer Mutter.

Das Häschen kam noch einmal zurück und rief:

„Mach auf, mach auf!“

Als keine Antwort kam, öffnete es selbst die Tür und klopfte der Puppe so fest an den Kopf, dass ihr die Haube herunterfiel.

Da sah das Häschen, dass es nicht seine Braut war, sondern eine Strohpuppe. Es ging traurig fort und blieb allein zurück.