Autor: Gebrüder Grimm
18.
Die Flucht vom Herd
In einem Dorfe wohnte eine arme alte Frau. Die hatte ein Gericht Bohnen zusammengebracht und wollte sie kochen. Sie machte also auf ihrem Herd ein Feuer zurecht, und damit es desto schneller brennen sollte, zündete sie es mit einer Handvoll Stroh an.
Als sie die Bohnen in den Topf schüttete, entfiel ihr unbemerkt eine, die auf dem Boden neben einen Strohhalm zu liegen kam. Bald danach sprang auch eine glühende Kohle vom Herd zu den beiden herab.
Da fing der Strohhalm an und sprach:
Die Kohle antwortete:
Die Bohne sagte:
, sprach das Stroh.
, sprach die Kohle.
, antwortete die Bohne,
Der Vorschlag gefiel den beiden anderen, und sie machten sich miteinander auf den Weg.
Die gefährliche Brücke
Bald aber kamen sie an einen kleinen Bach. Da keine Brücke oder Steg da war, so wussten sie nicht, wie sie hinüberkommen sollten.
Der Strohhalm fand guten Rat und sprach:
Der Strohhalm streckte sich also von einem Ufer zum anderen, und die Kohle, die von hitziger Natur war, trippelte auch ganz keck auf die neu gebaute Brücke. Als sie aber in die Mitte gekommen war und unter ihr das Wasser rauschen hörte, ward ihr doch angst: Sie blieb stehen und getraute sich nicht weiter.
Der Strohhalm aber fing an zu brennen, zerbrach in zwei Stücke und fiel in den Bach. Die Kohle rutschte nach, zischte, wie sie ins Wasser kam, und gab den Geist auf.
Das Schicksal der Bohne
Die Bohne, die vorsichtigerweise noch auf dem Ufer zurückgeblieben war, musste über die Geschichte lachen. Sie konnte nicht aufhören und lachte so gewaltig, dass sie zerplatzte.
Nun war es ebenfalls um sie geschehen, wenn nicht zu gutem Glück ein Schneider, der auf der Wanderschaft war, sich an dem Bach ausgeruht hätte. Weil er ein mitleidiges Herz hatte, so holte er Nadel und Zwirn heraus und nähte sie zusammen.
Die Bohne bedankte sich bei ihm aufs Schönste. Aber da er schwarzen Zwirn gebraucht hatte, so haben seit der Zeit alle Bohnen eine schwarze Naht.

