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Märchenstern - Märchen lesen und erleben
Märchen lesen und erleben

Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst

⏱ Lesedauer: ca. 4 Min.

Ein eingespieltes Team

Es waren einmal ein Mäuschen, ein Vögelchen und eine Bratwurst in Gesellschaft geraten. Sie hatten einen Haushalt gegründet, lebten lange Zeit friedlich und glücklich zusammen und häuften ordentlichen Wohlstand an.

Die Arbeit des Vögelchens war es, täglich in den Wald zu fliegen und Holz herbeizuschaffen. Die Maus sollte Wasser tragen, das Feuer anzünden und den Tisch decken. Die Bratwurst hingegen hatte die Aufgabe zu kochen.

Der verhängnisvolle Ratschlag

Wer im Überfluss lebt, dem gelüstet es bald nach neuen Dingen! So geschah es eines Tages, dass dem Vöglein unterwegs ein anderer Vogel begegnete. Stolz erzählte das Vöglein ihm von seiner hervorragenden Lebensgemeinschaft. Der andere Vogel schalt es jedoch einen armen Tropf. Er meinte, das Vöglein müsse die schwerste Arbeit verrichten, während die beiden anderen zu Hause ein gutes Leben führten.

Denn wenn die Maus ihr Feuer gemacht und Wasser getragen hatte, ging sie in ihr Kämmerchen, um sich auszuruhen, bis man sie bat, den Tisch zu decken. Die Wurst blieb die ganze Zeit am Topf sitzen und achtete darauf, dass das Essen gut kochte. Kurz vor dem Essen schlüpfte sie einfach viermal durch den Brei oder das Gemüse, und schon war das Mahl geschmalzen, gesalzen und servierfertig. Kam dann das Vöglein heim und legte seine Last ab, saßen sie zu Tisch, aßen sich satt und schliefen bis zum nächsten Morgen. Das war in der Tat ein herrliches Leben.

Der Rollentausch

Aufgestachelt von diesen Worten, weigerte sich das Vöglein am nächsten Tag, in den Wald zu fliegen. Es erklärte, es sei nun lange genug der Knecht gewesen und habe sich ausnutzen lassen. Nun müsse man die Rollen tauschen und es auf eine andere Weise versuchen.

Obwohl die Maus und auch die Bratwurst inständig dagegen baten, setzte sich der Vogel durch: Es musste gewagt werden. Sie losten um die Aufgaben, und das Los fiel auf die Bratwurst, die von nun an das Holz tragen sollte. Die Maus übernahm das Kochen und der Vogel sollte das Wasser holen.

Das Unglück nimmt seinen Lauf

Was geschah? Das Bratwürstchen zog los in den Wald, das Vöglein entzündete das Feuer und die Maus stellte den Kochtopf auf. Gemeinsam warteten sie auf das Bratwürstchen, das das Holz für den nächsten Tag bringen sollte. Doch das Würstchen blieb so lange aus, dass die beiden ein ungutes Gefühl bekamen. Das Vöglein flog ihm schließlich ein Stück entgegen.

Nicht weit entfernt traf es auf einen Hund. Dieser hatte das arme Bratwürstchen als leichte Beute erwischt, gepackt und gefressen. Das Vöglein klagte den Hund wegen dieses offensichtlichen Raubes an. Doch alle Worte halfen nichts: Der Hund behauptete, er habe gefälschte Briefe bei der Bratwurst gefunden, weshalb sie ihr Leben verwirkt gehabt habe.

Ein trauriges Ende

Betrübt nahm das Vöglein das Holz auf sich, flog heim und berichtete, was geschehen war. Sie waren sehr traurig, beschlossen jedoch, das Beste daraus zu machen und zusammenzubleiben. Das Vöglein deckte also den Tisch, und die Maus bereitete das Essen vor.

Um das Gemüse zu verfeinern, wollte die Maus – genau wie zuvor die Wurst – durch das Gemüse schlüpfen. Doch noch ehe sie die Mitte des Topfes erreichte, verbrannte sie jämmerlich und musste ihr Leben lassen.

Als das Vöglein kam, um das Essen aufzutragen, war kein Koch mehr da. Bestürzt warf das Vöglein das Holz hin und her, rief und sucht, konnte die Maus aber nirgends finden. Durch die Unachtsamkeit fing das Holz Feuer, und es entstand ein großer Brand. Das Vöglein eilte herbei, um Wasser zu holen, doch dabei fiel ihm der Eimer in den Brunnen. Er riss das Vöglein mit sich in die Tiefe, sodass es ertrank und nicht mehr gerettet werden konnte.