Autor: Gebrüder Grimm
Einem Schneider, der ein großer Prahler, aber ein schlechter Zahler war, kam es in den Sinn, ein wenig auszugehen und sich im Wald umzuschauen. Sobald er nur konnte, verließ er seine Werkstatt und wanderte seines Weges:
> über Brücke und Steg, > bald da, bald dort, > immer fort und fort.
Die Begegnung im finsteren Wald
Als er nun draußen war, erblickte er in der blauen Ferne einen steilen Berg und dahinter einen himmelhohen Turm, der aus einem wilden und finsteren Wald hervorragte.
, rief der Schneider.
Weil ihn die Neugierde gewaltig packte, ging er frisch darauf los.
Was sperrte er aber Maul und Augen auf, als er in die Nähe kam! Denn der Turm hatte Beine, sprang mit einem Satz über den steilen Berg und stand als ein großmächtiger Riese vor dem Schneider.
, rief dieser mit einer Stimme, als wenn es von allen Seiten donnerte.
Der Schneider wisperte:
, sagte der Riese,
, sagte der Riese.
, antwortete der Schneider und dachte bei sich:
Der Dienst beim Riesen
Darauf sprach der Riese zu ihm:
, fragte der Prahlhans und ging mit dem Krug zum Wasser.
, brummte der Riese, der ein bisschen tölpisch und albern war, in seinen Bart und fing an, sich zu fürchten.
Als der Schneider das Wasser gebracht hatte, befahl ihm der Riese, im Wald ein paar Scheite Holz zu hauen und heimzutragen.
, fragte das Schneiderlein,
> den ganzen Wald > mit Jung und Alt, > mit allem, was er hat, > knorzig und glatt?
Und so ging er das Holz hauen.
, brummte der leichtgläubige Riese in den Bart und fürchtete sich noch mehr.
Als der Schneider das Holz gebracht hatte, befahl ihm der Riese, zwei oder drei wilde Schweine zum Abendessen zu schießen.
, fragte der hochmütige Schneider.
, rief der Hasenfuß von einem Riesen und war heftig erschrocken.
Die Flucht in die Luft
Der Riese fürchtete sich so gewaltig, dass er die ganze Nacht kein Auge zutun konnte. Er dachte hin und her, wie er es anfangen sollte, um sich diesen unheimlichen Diener je eher, desto lieber vom Hals zu schaffen. Kommt Zeit, kommt Rat.
Am anderen Morgen gingen der Riese und der Schneider zu einem Sumpf, um den herum eine Menge Weidenbäume standen. Da sprach der Riese:
Husch, saß das Schneiderlein oben, hielt den Atem ein und machte sich schwer – so schwer, dass sich die Gerte niederbog. Als er aber wieder Atem holen musste, da schnellte sie ihn, weil er zum Unglück kein Bügeleisen in die Tasche gesteckt hatte, zur großen Freude des Riesen so weit in die Höhe, dass man ihn gar nicht mehr sehen konnte.
Wenn er nicht wieder heruntergefallen ist, so wird er wohl noch immer oben in der Luft herumschweben.

