Autor: Gebrüder Grimm
Die Erschaffung der Geißen
Gott der Herr hatte alle Tiere erschaffen und sich die Wölfe zu seinen Hunden auserwählt; bloß die Geißen hatte er vergessen. Da machte sich der Teufel ans Werk. Er wollte ebenfalls etwas erschaffen und machte die Geißen, stattete sie jedoch mit sehr langen Schwänzen aus.
Wenn sie nun auf die Weide gingen, blieben sie gewöhnlich mit ihren Schwänzen in den Dornhecken hängen. Da musste der Teufel jedes Mal mühsam in die Hecken hineingehen und sie losmachen. Das verdross ihn schließlich so sehr, dass er hinging und jeder Geiß den Schwanz kurzerhand abbiss – wie man heute noch an den kurzen Stümpfen sehen kann.
Die Wölfe und die List des Herrn
Nun ließ er sie zwar allein weiden, aber Gott der Herr musste mit ansehen, wie sie bald einen fruchtbaren Baum benagten, bald die edlen Weinreben beschädigten und andere zarte Pflanzen verdarben. Das tat ihm leid, und so hetzte er aus Güte und Gnade seine Wölfe auf sie, welche die Geißen sogleich zerrissen.
Als der Teufel das erfuhr, trat er vor den Herrn und sprach:
Der Herr antwortete:
Der Teufel entgegnete:
, sprach der Herr.
Als das Eichenlaub im Herbst abgefallen war, kam der Teufel und forderte seine Schuld ein. Der Herr sprach jedoch:
Mit Toben und Fluchen zog der Teufel ab. Er wollte die Eiche suchen und irrte sechs Monate in der Wüste umher, ehe er sie fand. Als er schließlich zurückkam, waren die anderen Eichen inzwischen alle wieder voll grüner Blätter. Da musste er seine Schuld fahrenlassen.
Warum Ziegen Teufelsaugen haben
Im Zorn stach der Teufel allen übrigen Geißen die Augen aus und setzte ihnen stattdessen seine eigenen ein.
Darum haben alle Geißen Teufelsaugen und abgebissene Schwänze, und der Teufel nimmt auch heute noch gern ihre Gestalt an.

