Autor: Gebrüder Grimm
Unermüdliche Arbeit und kein Ertrag
Ganz anders als der faule Heinz und die dicke Trine, die sich durch nichts aus ihrer Ruhe bringen ließen, dachte die hagere Liese. Sie äscherte sich von morgens bis abends ab und lud ihrem Mann, dem langen Lenz, so viel Arbeit auf, dass er schwerer zu tragen hatte als ein Esel an drei Säcken. Es war aber alles umsonst: Sie hatten nichts und kamen zu nichts.
Luftschlösser im Bett
Eines Abends, als sie im Bett lag und vor Müdigkeit kaum ein Glied regen konnte, ließen die Gedanken sie doch nicht einschlafen. Sie stieß ihren Mann mit dem Ellbogen in die Seite und sprach:
Dem Mann gefiel das recht gut.
, sprach er,
, fügte er hinzu,
, sagte die Frau.
, antwortete der Mann,
Der Streit um die ungelegte Milch
, sprach die Frau.
, sagte der Mann,
, rief sie,
Sie wollte ihm in die Haare fallen, aber der lange Lenz richtete sich auf, packte mit der einen Hand die dürren Arme der hageren Liese zusammen und drückte ihr mit der anderen den Kopf auf das Kissen. Er ließ sie schimpfen und hielt sie so lange fest, bis sie vor großer Müdigkeit eingeschlafen war.
Ob sie am anderen Morgen beim Erwachen fortfuhr zu zanken oder ob sie ausging, um den Gulden zu suchen, den sie zu finden hoffte, das weiß ich nicht.

