Autor: Gebrüder Grimm
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**Die weiße und die schwarze Braut.**
Der Segen Gottes und der Fluch der Bosheit
Eine Frau ging mit ihrer Tochter und ihrer Stieftochter über das Feld, um Futter zu schneiden. Da kam der liebe Gott als ein armer Mann zu ihnen gegangen und fragte:
sprach die Mutter,
und die Tochter setzte hinzu:
Die Stieftochter aber sprach:
Da zürnte der liebe Gott über die Mutter und die Tochter, wendete ihnen den Rücken zu und verwünschte sie, dass sie so schwarz werden sollten wie die Nacht und hässlich wie die Sünde. Der armen Stieftochter aber war Gott gnädig und ging mit ihr. Als sie nahe am Dorf waren, sprach er einen Segen über sie und sagte:
Da sprach das Mädchen:
Alsbald war sie weiß und schön wie der Tag.
Den gab ihr der liebe Gott auch, sprach aber:
Sie sagte:
Das ward ihr auch gewährt, und so schied der liebe Gott von ihr.
Das Bildnis und das Begehren des Königs
Als die Stiefmutter mit ihrer Tochter nach Hause kam und sah, dass sie beide kohlschwarz und hässlich waren, die Stieftochter aber weiß und schön, so stieg die Bosheit in ihrem Herzen noch höher, und sie hatte nichts anderes im Sinn, als wie sie ihr ein Leid antun könnte.
Die Stieftochter hatte einen Bruder namens Reginer, den liebte sie sehr und erzählte ihm alles, was geschehen war. Nun sprach Reginer einmal zu ihr:
Da antwortete sie:
Er malte seine Schwester und hing das Bild in seiner Stube auf. Er wohnte in des Königs Schloss, weil er dort Kutscher war. Alle Tage ging er davor stehen und dankte Gott für das Glück seiner lieben Schwester.
Nun war gerade dem König, bei dem er diente, seine Gemahlin verstorben. Sie war so schön gewesen, dass man keine finden konnte, die ihr glich, und der König war darüber in tiefer Trauer. Die Hofdiener bemerkten, dass der Kutscher täglich vor dem schönen Bilde stand, missgönnten es ihm und meldeten es dem König. Da ließ dieser das Bild vor sich bringen, und als er sah, dass es in allem seiner verstorbenen Frau glich, nur noch schöner war, verliebte er sich sterblich hinein.
Er ließ den Kutscher vor sich kommen und fragte, wen das Bild darstellte. Der Kutscher sagte, es wäre seine Schwester. So entschloss sich der König, keine andere als diese zur Gemahlin zu nehmen. Er gab ihm Wagen, Pferde und prächtige Goldkleider und schickte ihn fort, seine erwählte Braut abzuholen.
Der Verrat auf der Brücke
Wie Reginer mit der Botschaft ankam, freute sich seine Schwester. Allein die Schwarze war eifersüchtig über das Glück, ärgerte sich über alle Maßen und sprach zu ihrer Mutter:
sagte die Alte,
Und durch ihre Hexenkünste trübte sie dem Kutscher die Augen, dass er halb blind war, und der Weißen verstopfte sie die Ofen, dass sie halb taub war. Darauf stiegen sie in den Wagen: erst die Braut in den herrlichen königlichen Kleidern, dann die Stiefmutter mit ihrer Tochter, und Reginer saß auf dem Bock, um zu fahren.
Wie sie eine Weile unterwegs waren, rief der Kutscher:
Die Braut fragte:
sprach die Alte,
Da zog sie es aus und tat es der Schwarzen an, die gab ihr dafür einen schlechten grauen Kittel.
So fuhren sie weiter. Über ein Weilchen rief der Bruder abermals:
Die Braut fragte:
sprach die Alte,
Da tat sie die Haube ab, setzte sie der Schwarzen auf und saß im bloßen Haar.
So fuhren sie weiter. Wiederum über ein Weilchen rief der Bruder:
Die Braut fragte:
sprach die Alte,
Sie fuhren aber gerade auf einer Brücke über ein tiefes Wasser. Wie nun die Braut aufstand und sich aus dem Wagen herausbückte, stießen die beiden sie hinaus, dass sie mitten ins Wasser stürzte.
Als sie versunken war, stieg im selben Augenblick eine schneeweiße Ente aus dem Wasserspiegel hervor und schwamm den Fluss hinab.
Die falsche Braut am Königshof
Der Bruder hatte gar nichts davon gemerkt und fuhr den Wagen weiter, bis sie an den Hof kamen. Da brachte er dem König die Schwarze als seine Schwester und meinte, sie wäre es wirklich, weil es ihm trüb vor den Augen war und er doch die Goldkleider schimmern sah.
Der König, als er die grundlose Hässlichkeit an seiner vermeintlichen Braut erblickte, ward sehr bös und befahl, den Kutscher in eine Grube zu werfen, die voll Ottern und Schlangengezücht war. Die alte Hexe aber wusste den König doch so zu bestricken und durch ihre Künste ihm die Augen zu verblenden, dass er sie und ihre Tochter behielt. Ja, sie kam ihm ganz leidlich vor, und er verheiratete sich wirklich mit ihr.
Die weiße Ente im Schloss
Eines Abends, während die schwarze Braut dem König auf dem Schoße saß, kam eine weiße Ente zum Rinnstein in die Küche geschwommen und sagte zum Küchenjungen:
Das tat der Küchenjunge und machte ihr ein Feuer auf dem Herd. Da kam die Ente, setzte sich daneben, schüttelte sich und strich sich die Federn mit dem Schnabel zurecht. Während sie so saß und es sich wohlgehen ließ, fragte sie:
Der Küchenjunge antwortete:
Fragte sie weiter:
Der Küchenjunge antwortete:
Sagte die Ente:
und schwamm den Rinnstein wieder hinaus.
Den folgenden Abend kam sie wieder und stellte dieselben Fragen, und den dritten Abend noch einmal. Da konnte es der Küchenjunge nicht länger übers Herz bringen, ging zu dem König und entdeckte ihm alles.
Der König wollte es selbst sehen und ging am nächsten Abend hin. Wie die Ente den Kopf durch den Rinnstein hereinstreckte, nahm er sein Schwert und hieb ihr den Hals durch. Da ward sie auf einmal zum schönsten Mädchen und glich genau dem Bild, das der Bruder von ihr gemacht hatte.
Gerechtigkeit und Strafe
Der König war voll Freude. Weil sie ganz nass dastand, ließ er köstliche Kleider bringen und sie damit bekleiden. Dann erzählte sie ihm, wie sie durch List und Falschheit betrogen und zuletzt in den Fluss hinabgeworfen worden war; und ihre erste Bitte war, dass ihr Bruder aus der Schlangenhöhle herausgeholt würde.
Als der König diese Bitte erfüllt hatte, ging er in die Kammer, wo die alte Hexe saß, und fragte:
und erzählte ihr, was geschehen war. Da war die Hexe so verblendet, dass sie nichts merkte, und sprach:
Das geschah an ihr und ihrer schwarzen Tochter. Der König aber heiratete die weiße und schöne Braut und belohnte den treuen Bruder, indem er ihn zu einem reichen und angesehenen Mann machte.

