Autor: Gebrüder Grimm
Die sonderbare Geburt und die Musik
Es lebte einmal ein König und eine Königin, die waren reich und hatten alles, was sie sich wünschten, nur keine Kinder. Darüber klagte die Königin Tag und Nacht und sprach:
Endlich erfüllte Gott ihre Wünsche. Als das Kind aber zur Welt kam, sah es nicht aus wie ein Menschenkind, sondern war ein junges Eselein. Wie die Mutter das erblickte, fing ihr Jammer und Geschrei erst recht an. Sie hätte lieber gar kein Kind gehabt als einen Esel und sagte, man sollte ihn ins Wasser werfen, damit ihn die Fische fräßen.
Der König aber sprach:
Also wurde das Eselein aufgezogen. Es wuchs heran, und auch seine Ohren wuchsen fein hoch und gerade hinauf. Es war sonst von fröhlicher Art, sprang herum, spielte und hatte besonders seine Freude an der Musik. Da ging es zu einem berühmten Spielmann und sprach:
, antwortete der Spielmann,
Doch da half keine Ausrede: Das Eselein wollte und musste die Laute spielen. Es war beharrlich und fleißig und lernte es am Ende so gut wie sein Meister selbst.
Die Reise in die Fremde
Einmal ging das junge Herrlein nachdenklich spazieren und kam an einen Brunnen. Es schaute hinein und sah im spiegelhellen Wasser seine Eselgestalt. Darüber wurde es so betrübt, dass es beschloss, in die weite Welt zu ziehen, und nur einen einzigen treuen Gefährten mitnahm.
Sie zogen auf und ab. Zuletzt kamen sie in ein Reich, in dem ein alter König herrschte, der nur eine einzige, aber wunderschöne Tochter hatte. Das Eselein sagte:
Es klopfte ans Tor und rief:
Als jedoch nicht geöffnet wurde, setzte er sich hin, nahm seine Laute und spielte sie mit seinen zwei Vorderfüßen aufs Lieblichste. Da sperrte der Torhüter weit die Augen auf, lief zum König und sprach:
, sprach der König.
Als nun ein Eselein hereintrat, fingen alle an, über den Lautenspieler zu lachen. Das Eselein sollte unten zu den Knechten gesetzt und dort gespeist werden, aber es wurde unwillig und sprach:
Da sagten sie:
, sprach es,
Der König lachte und sprach gut gelaunt:
Danach fragte er:
Das Eselein drehte den Kopf nach ihr, schaute sie an, nickte und sprach:
, sagte der König.
, sprach das Eselein, setzte sich an ihre Seite und aß und trank, wobei es sich fein und säuberlich zu benehmen wusste.
Das Geheimnis in der Hochzeitsnacht
Als das edle Tierchen eine ganze Zeit lang an des Königs Hof geblieben war, dachte es:
Es ließ den Kopf traurig hängen, trat vor den König und bat um seinen Abschied.
Der König hatte es aber liebgewonnen und sprach:
, sagte das Eselein und schüttelte den Kopf.
Da sprach der König:
, sagte das Eselein,
Da war es auf einmal wieder ganz lustig und guter Dinge, denn das war genau das, was es sich gewünscht hatte.
Also wurde eine große und prächtige Hochzeit gefeiert.
Als Braut und Bräutigam am Abend in ihr Schlafkämmerlein geführt wurden, wollte der König wissen, ob sich das Eselein auch fein artig und manierlich verhielt, und befahl einem Diener, sich dort zu verstecken.
Als sie nun beide drinnen waren, schob der Bräutigam den Riegel vor die Tür, blickte sich um und warf, da er sich ganz allein glaubte, plötzlich seine Eselshaut ab. Da stand er da als ein wunderschöner, königlicher Jüngling.
, sprach er,
Da wurde die Braut froh, küsste ihn und hatte ihn von Herzen lieb. Als aber der Morgen graute, sprang er auf, zog seine Tierhaut wieder an, und kein Mensch hätte geahnt, was für ein schöner Jüngling sich dahinter verbarg.
Die verbrannte Eselshaut
Bald darauf kam auch der alte König gegangen.
, rief er,
, sagte er zu seiner Tochter,
Der König wunderte sich sehr. Da trat der Diener hervor, der sich versteckt hatte, und offenbarte ihm alles. Der König sprach:
, sprach der König.
Am Abend, als das Paar schlief, schlich sich der König leise ins Zimmer. Als er an das Bett trat, sah er im Mondschein einen stolzen Jüngling schlafen, und die Eselshaut lag abgestreift auf dem Boden. Da nahm er sie heimlich weg, ließ draußen ein großes Feuer anzünden und warf die Haut hinein. Er blieb selbst dabei stehen, bis sie ganz zu Asche verbrannt war.
Weil er aber sehen wollte, wie sich der Jüngling am Morgen verhalten würde, blieb er die Nacht über wach und lauschte an der Tür.
Als der Jüngling beim ersten Morgenschimmer aufstand und seine Eselshaut anziehen wollte, war diese nirgends zu finden. Da erschrak er zutiefst und sprach voll Trauer und Angst:
Doch als er aus der Kammer trat, stand der König da und sprach:
, sprach der Jüngling.
Da gab ihm der alte König das halbe Reich. Und als der König ein Jahr darauf starb, erbte der Jüngling das ganze Reich und nach dem Tod seines leiblichen Vaters noch ein weiteres dazu. So lebte er fortan in aller Herrlichkeit.

